Ausgabe September 2004

Amerika oder Empire

Seit die Vereinigten Staaten vor etwa einem Jahrzehnt zur einzigen Supermacht avancierten, kreist das Denken amerikanischer Politiker um Kategorien wie Hegemonie und Empire.

Wenig Beachtung findet dabei, dass es gerade der Imperialismus war, dem die Gründung der amerikanischen Nation - historisch gesehen - entgegenwirken sollte.

Im Zweiten Weltkrieg war Amerikas Hauptziel, Deutschland und Japan zu schlagen, aber das zweitwichtigste Ziel bestand darin, mit Imperialismus generell Schluss zu machen, insbesondere mit dem britischen und französischen. Die amerikanischen Hilfsleistungen an Großbritannien vor und während des Krieges orientierten sich an diesem Ziel. Auf faszinierende Weise beschreibt dies Robert Skidelsky im - jüngst erschienenen - letzten Band seiner Biographie über den großen britischen Ökonomen John Maynard Keynes, der in den seinerzeitigen Verhandlungen mit Washington eine führende Rolle spielte. Skidelsky veranschaulicht, wie eisern die Vereinigten Staaten darauf bestanden, dass Großbritannien seine imperialen Ansprüche und Ressourcen opfern müsse, wenn es Amerikas Unterstützung gewinnen wolle.

Die Kriegsallianzen wichen dem bipolaren Machtsystem des Kalten Krieges. Dieses galt als gefährlich, erwies sich aber als letzten Endes stabil. Als die Sowjetunion schließlich zusammenbrach, blieben die Vereinigten Staaten als die einzige Supermacht zurück.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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