Ausgabe September 2004

Zölibatärer Tunnelblick

Ende Juli dieses Jahres sorgte eine Verlautbarung aus dem Vatikan für weltweite Aufregung. Unerwartet und ohne die sonst üblichen inoffiziellen Vorankündigungen veröffentlicht, wurden die Aussagen der Kongregation für die Glaubenslehre in der Presse und unter Frauen heftig diskutiert. Dabei handelte es sich beim "Schreiben an die Bischöfe der Katholischen Kirche über die Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt"1, approbiert und zur Veröffentlichung angeordnet von Papst Johannes Paul II, bloß um einen Brief von alten Männern an alte Männer, auch wenn, wie von Radio Vatikan stolz berichtet, bei der Abfassung eine Frau mitgearbeitet haben soll.

Der Papst ist in den mehr als 25 Jahren seines Pontifikats nicht müde geworden, in vielen Schreiben und Ansprachen über die Würde und Bestimmung der Frau mit Unterstützung der Glaubenskongregation und ihres Präfekten, Joseph Kardinal Ratzinger, nachzudenken und zu meditieren. Aus diesen früheren Ergüssen wird im neuesten Schreiben über Mann und Frau immer wieder zitiert. So ist es nicht verwunderlich, wenn entgegen der Ankündigung im Titel der Anteil des Mannes an der Zusammenarbeit der Geschlechter eigentlich gar nicht vorkommt.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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