Ausgabe April 2005

Togo - Ende einer Ära

Nach 38 Jahren autoritärer Herrschaft über Togo, das frühere deutsche "schmale Handtuch" Westafrika, starb Anfang Februar Präsident Gnassingbè Eyadéma. Die folgende Proklamation seines Sohnes zum neuen Staatspräsidenten durch die Armee-Führung schien nur allzu gut ins Bild Afrikas als "Putsch-Kontinent" zu passen.

Weit weniger Beachtung fand in den Medien, dass viele (auch togoische) Beobachter den faktischen Putsch als geradezu surrealistisch empfanden. Ebenso störend für das gängige Afrika-Bild wirkte auch die unmissverständliche Verurteilung durch die Afrikanische Union (AU) und die harte Haltung der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (CEDEAO), die fast unmittelbar Sanktionen beschloss. Überrascht und geschockt erschien dagegen in den ersten Tagen die togoische Opposition, die ihr einigendes Motto "Eyadéma muss weg" verloren hatte, ohne dass aber, so die bittere Feststellung, ihr eigentlicher Gegner, das "Regime Eyadéma", verschwunden wäre.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

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