Ausgabe August 2005

Welches Wachstum hat Vorfahrt?

Im Zentrum des Bundestagswahlkampfes steht die dramatische Arbeitslosigkeit. Bundespräsident Horst Köhler hat für diese Debatte den Takt vorgegeben: Nötig sei "eine politische Vorfahrtsregel für Arbeit". Politisches Handeln, das dem Ziel der Schaffung von Arbeitsplätzen widerspricht – oder doch in Widerspruch dazu geraten könnte –, muss demzufolge unterlassen werden.

Diese bedingungslose "Vorfahrt für Arbeit" heißt aber auch bedingungsloses Wirtschaftswachstum, das, nach gängiger Lesart, die Arbeitsplätze schaffen soll. Gleichzeitig werden andere bedeutende und langfristige gesellschaftliche Ziele, etwa die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen, zur Makulatur. "Wirtschaftliches Wachstum" wird damit endgültig zum überragenden Leitbild unserer Gesellschaft, dem sich alle anderen Werte und Ziele unterordnen müssen. Aber welches Wachstum eigentlich das richtige ist und welches wir uns leisten können – danach wird nicht mehr gefragt.

Wer demgegenüber wirtschaftliches Wachstum in Frage stellt oder kritisiert, gilt gemeinhin als reif für die Irrenanstalt. Das war nicht immer so. Vor über 30 Jahren prognostizierte der Amerikaner Dennis Meadows "Die Grenzen des Wachstums". Er sagte voraus, dass den Menschen sehr bald die Rohstoffe ausgehen würden. Mit dieser Prognose lag er vorerst falsch.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.