Ausgabe Juni 2005

Ist die Linke obsolet?

Von einer Renaissance der Linken zu sprechen, wäre wohl verfrüht. Eher könnten wir sagen, dass ihr Abtransport auf den Müllhaufen der Geschichte vertagt werden musste. Während ich diese Zeilen schreibe, lassen sich die etwaigen Konsequenzen der neuen Kapitalismusdebatte in Deutschland erst unklar erkennen. Immerhin: Es gibt diese Debatte. Und Labour konnte sich bei den jüngsten Parlamentswahlen behaupten, indem es seine Investitionen im öffentlichen Sektor (Bildungs- und Gesundheitswesen) herausstrich. In Frankreich konzentrierte sich die Kampagne zur Ratifizierung der neuen EUVerfassung ganz auf die soziale Dimension des Projekts Europa. Selbst in den Vereinigten Staaten ändert sich das Klima: Bushs Vorstöße für eine Teilprivatisierung der öffentlichen Altersversicherung sind stecken geblieben.

Die Rückblicke auf 1945 erinnern daran: Das halbe Jahrhundert nach dem Kriege war für die westeuropäische Linke eine gute Zeit. Es gelang ihr, oft im Bündnis mit Christlich-Sozialen (katholischen wie protestantischen), Wohlfahrtsstaaten zu schaffen, die dauerhaft erschienen, und auf diese Weise die arbeitenden Schichten im Vollbesitz ihrer Bürgerrechte in die jeweilige Nation zu integrieren.

Für die nordamerikanische Linke erwies sich diese Epoche als gleichermaßen positiv. Sie konnte den von den beiden Roosevelts geschaffenen Wohlfahrtsstaat weiter ausbauen.

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In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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