Ausgabe Oktober 2005

Flat Tax: Einfach ungerecht

Ungeachtet massiver, auch innerparteilicher Kontroversen hielt Angela Merkel auch in der Schlussphase des Wahlkampfs an Paul Kirchhofs „Vision“ einer „Steuerrevolution“ à la Ronald Reagan fest. Mit missionarischem Eifer agitiert der Heidelberger Steuerrechtler für eine einfach handhabbare, einheitliche Niedrigbesteuerung aller am Markt entstandenen Einkommen.(1)

Die Kirchhof-Initiative besteht aus zwei Teilen: der radikalen Kürzung der Steuersätze und der rigorosen Beseitigung von Steuervorteilen. Doch während hinsichtlich der Steuerschlupflöcher Kirchhofs ominöse 418-Punkte- Liste bis zum Wahltag geheim gehalten wurde (auf Druck von Angela Merkel, um weiteren Ärger für die Union zu vermeiden), liegt sein Steuermodell seit langem vor.

Oberhalb eines steuerfreien Grundbetrages von insgesamt 10000 Euro und zwei kleinen Zwischenstufen mit Steuersätzen von 15 bzw. 20 Prozent gilt ab 20000 Euro des zu versteuernden Einkommens nur noch eine für alle Steuerpflichtigen einheitliche flat tax von 25 Prozent. Gegenüber dem derzeit geltenden Spitzensteuersatz von 42 Prozent, der ab einem steuerrelevanten Einkommen von über 52 000 Euro einsetzt, bringt dies den Wohlhabenden eine Reduktion um 17 Prozentpunkte.

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