Ausgabe April 2006

Was heißt und zu welchem Ende betreiben wir Kapitalismuskritik?

Wem britischer Empirismus nicht gänzlich fremd ist und wer noch nicht vergessen hat, dass wir im Jahre 2005 das „Schillerjahr“ begangen haben, wird wissen, dass der Titel dieser Abschiedsvorlesung den der Antrittsvorlesung von Friedrich Schiller paraphrasiert. Er hat sie am 26. Mai des Revolutionsjahres 1789 an der Universität Jena gehalten. Schiller versuchte eine Antwort auf die selbst gestellte Frage: „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“ Kapitalismuskritik lag dem idealistischen Geist selbstverständlich fern, auch weil es den Kapitalismus erst in unzusammenhängenden, prototypischen Formen gab. Schiller wollte die große aufsteigende weltgeschichtliche Linie „vom ungeselligen Höhlenbewohner […] zum geistreichen Denker, zum gebildeten Weltmann“ zeigen. Er beabsichtigte zu studieren, wie „sich unser Geist aus der Unwissenheit herausringen sollte“ oder, wie Kant es etwa zur gleichen Zeit formulierte, wie er sich aus der „selbst verschuldeten Unmündigkeit“ befreit.

Für dieses Studium benutzte Schiller eine implizite Vier-Felder-Matrix. Auf der Abszisse unterschied er zwischen „Brotgelehrten“ und „philosophischen Köpfen“. Die Ersteren, das sind mehr oder weniger pfiffige Tüftler, wissenschaftliche Politikberater, deren geistiger Horizont kein Quäntchen weiter reicht als derjenige der Auftraggeber. Heute würden wir auch Drittmittelforscher hinzuzählen, die von einem Projekt zum nächsten streben und vor allem damit beschäftigt sind, Forschungsanträge und Abschlussberichte zu schreiben. Auch die Vielzahl der Karrieristen in der Zunft, die Kapitalismuskritik nicht deshalb unterschlagen, weil der Kapitalismus sich nicht zur Kenntlichkeit entwickelt hätte, sondern weil dies dem Fortkommen in der akademischen Welt schädlich sein kann. Von diesen Brotgelehrten unterscheidet Schiller jene Geister, deren „Bestrebungen auf Vollendung (des) Wissens“ gerichtet sind.

Auf der Ordinate der impliziten Matrix finden wir die „Summe der historischen Begebenheiten“ einerseits und die Universalgeschichte, die ein „teleologisches Prinzip in die Weltgeschichte“ bringt und sich zu erkennen anstrengt, wie die Gegenwart historisch geworden ist. Es ist nicht überraschend, dass Schiller sich in jenem Feld der Matrix verortet, in dem der philosophische Kopf Universalgeschichte studiert. Die anderen drei Felder sind sein Thema nicht, er lässt sie den Brotgelehrten. Er sieht nicht, dass auch die „philosophischen Köpfe“ mit universalgeschichtlicher Vision die gesamte Matrix für ihr Studium brauchen, also auch die Tüfteleien der Brotgelehrten und die Ergebnisse von Drittmittelprojekten. Die Evolution des Wissens benötigt Redundanz, so wie die Kastanie Zentner von Früchten erzeugt, aus denen vielleicht ein neuer Baum wird. Elitenbildung und Exzellenzzentren sind der sichere Wegweiser in Sackgassen des Fortschritts, aus denen es nur rückwärts einen Ausweg gibt. Wissen und Unwissenheit sind Zwillinge, dies werden wir später noch sehen.

Die Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft

Der belesene Karl Marx hat Friedrich Schillers Antrittsvorlesung und seine anderen, von seinem Freund Friedrich Engels so bezeichneten „Philisterschwärmereien“ wohl gekannt.1 Es gibt durchaus Ähnlichkeiten in der Interpretation von Geschichte. Schiller charakterisiert den Universalhistoriker als jemanden, der „von der neuesten Weltlage aufwärts dem Ursprung der Dinge entgegen(rückt).“ Marx bemerkt in der Einleitung zur Kritik der politischen Ökonomie, die „Anatomie des Menschen“ sei „ein Schlüssel zur Anatomie des Affen. Die Andeutungen auf Höhres in den untergeordneten Tierarten können […] nur verstanden werden, wenn das Höhere selbst schon bekannt ist. Die bürgerliche Ökonomie liefert so den Schlüssel zur antiken etc.“ Und er fügt warnend hinzu: „Keineswegs aber in der Art der Ökonomen, die alle historischen Unterschiede verwischen und in allen Gesellschaftsformen die bürgerlichen sehen.“2 Die gleiche Kritik an der Geschichtslosigkeit der bürgerlichen Ökonomie übt übrigens Karl Polanyi knapp 100 Jahre später in seiner Auseinandersetzung mit den Werken von Adam Smith.3

Marx hatte, als er die „Kritik der politischen Ökonomie“ 1857 schrieb, schon Erfahrungen mit dem damals am höchsten entwickelten Kapitalismus in England gemacht. Friedrich Engels hatte die „Geschichte der arbeitenden Klasse in England“ verfasst und darin die elenden Arbeits- und Lebensbedingungen des Proletariats beschrieben. Marx war auch mit der preußischen Obrigkeit in Konflikt geraten und musste das Schicksal des Emigranten erleiden. Auch das „Kommunistische Manifest“ war schon fast zehn Jahre vor der „Kritik“, aus der das Zitat stammt, erschienen.

Im „Manifest“ wird einerseits eine Hymne auf den Fortschritt der bourgeoisen Ordnung im Vergleich zur Dumpfheit des Landlebens unter dem europäischen Feudalismus gesungen. Andererseits werden in aller Schärfe die Krisentendenzen und die Destruktivität des Kapitalismus analysiert und wird vor allem gezeigt, dass der Kapitalismus keineswegs eine Gesellschaftsformation in einer aufsteigenden, universalgeschichtlichen Aufeinanderfolge von Zivilisationen ist. Die kapitalistische Gesellschaft hat einen Anfang und wird ein Ende haben, weil sie zum Hindernis des Fortschritts und der Emanzipation der Menschheit wird. Deshalb werden die Proletarier aufgefordert, sich über alle Ländergrenzen hinweg zu vereinen und in gemeinsamer Klassenaktion ihre Ketten zu sprengen, auch wenn sie vergoldet sein sollten. Der Kapitalismus entsteht aus einer weltgeschichtlichen sozialen Revolution, in der die politische Revolution von 1789 nur Episode ist, und er vergeht in einer sozialen Revolution, deren Träger das entstehende Proletariat sein soll.

England ist bei der Entwicklung des Kapitalismus in jeder Hinsicht Vorreiter- Nation. Sowohl die ökonomische Entwicklung und imperiale Machtentfaltung als auch die sozialen Verwerfungen, das Elend und die Zerstörung von Lebensbedingungen zeigen „dem minder entwickelten Land nur das Bild der eigenen Zukunft“. Dies vermerkt Marx im Vorwort zur ersten Auflage des ersten Bandes des „Kapital“ im Jahre 1867. Das könnte auch von einem Modernisierungstheoretiker der 1960er Jahre oder der Zeit der Systemtransformation nach 1989 geschrieben worden sein, zumal Marx noch hinzufügt: „Eine Nation soll und kann von der andern lernen“.4 Das könnte Motto für die „Regime-Shopper“ unter den heutigen Vertretern des Varieties-of-Capitalism- Konzepts sein. Doch finden wir auch den Verweis darauf, dass als Folge der „jetzt möglich gewordene(n) und täglich sich mehr und mehr herstellende(n) Ausdehnung der Märkte zum Weltmarkt […] eine neue Phase der geschichtlichen Entwicklung“ eingeleitet und damit eine neue Einheit der Analyse entstanden sei: der Weltmarkt, das die Nationen umfassende kapitalistische Weltsystem.5 Den Weltmarkt herzustellen und die kapitalistische Produktionsweise „zu propagieren“, sei „unmittelbar im Begriff des Kapitals selbst gegeben“, schreibt Marx in den „Grundrissen“.6 Kapitalismus kann also als nationaler Kapitalismus nur so lange konzipiert und daher auch verglichen werden, wie er noch nicht auf seinen Begriff gekommen ist, wie die Produktionsweise noch nicht globalisiert worden ist.

Die Explosion des Wachstums

Das globale System verändert sich, wenn immer mehr Nationen dem Vorbild der am meisten entwickelten kapitalistischen Gesellschaften folgen. Heute ist dies offensichtlich. Der Globus ist zu klein, um alle Ressourcenansprüche der aufstrebenden Nationen zu befriedigen oder die zunehmenden Abfälle, die Abwässer, die Abluft, also die Kuppelprodukte des kapitalistischen Produktionssystems, zu verkraften. Wir brauchten, so heißt es bitter-ironisch, fünf und nicht nur einen Planeten, um Arbeitsweise und Lebensstil der kapitalistischen Moderne wirklich in aller Welt zu propagieren. Die Konkurrenz auf den Märkten wird immer heftiger, und das Streben nach Konkurrenzfähigkeit löst ein regelrechtes Rattenrennen, einen „Wettlauf der Besessenen“ aus. Auf dem Siegertreppchen stehen nur wenige Nationen, viele landen während der Rallye im Straßengraben und können sich nur schwer – und einige nie – erholen.

In diesem Zusammenhang stellen sich gleich mehrere Fragen. Was bringt den Kapitalismus auf seinen Begriff, welches ist eigentlich der Motor der „propagandistischen Tendenz“? Es handelt sich dabei wohl kaum um das Denken eines philosophischen Geistes, sondern um praktische Prozesse der Gesellschaftsveränderung. Die neuen Techniken der industriellen Revolution, die umfassende Nutzung der fossilen Energieträger, also die von Marx so bezeichnete „reelle Subsumtion der Arbeit unter das Kapital“, sind entscheidend. Die Einzigartigkeit zeigt sich schon daran, dass die langsame Evolution allen Lebens und der Gesellschaften seit der industriellen Revolution von beschleunigtem Wachstum der Wirtschaft überlagert wird. Der norwegische Statistiker Angus Maddison hat in einer „Millenniumsstudie“ für die OECD ausgerechnet, dass das jährliche Wachstum der Wirtschaft seit der industriellen Revolution bis heute mit rund 2,2 Prozent mehr als zehnmal höher war als das Wachstum in den zwei Jahrtausenden zuvor.7

Der Wirtschaftshistoriker Carlo M. Cipolla schreibt über die Zeit vor der industriellen Revolution, dass sie durch eine „grundlegende Kontinuität charakterisiert“ gewesen sei, „selbst nach so großen Umwälzungen wie dem Aufstieg und Fall des Römischen Reiches, des Islam und der chinesischen Dynastien“. Und er zitiert den britischen Wissenschaftsphilosophen Conrad Hal Waddington: „Wenn ein alter Römer achtzehn Jahrhunderte später wieder auf die Welt gekommen wäre, hätte er sich in einer Geschichte wiedergefunden, die er ohne Schwierigkeiten verstanden hätte. Horaz wäre sich als Gast bei Horace Walpole8 nicht deplatziert vorgekommen, und Catull hätte sich zwischen den Wagen, Damen und brennenden Lampen nachts im London des 18. Jahrhunderts zu Hause gefühlt.“ – Diese Kontinuität, so fügt Cipolla hinzu, „wurde zwischen 1750 und 1850 unterbrochen […]. 1850 war die Vergangenheit nicht nur vergangen – sie war tot.“9

Für die soziale Formation des Kapitalismus waren die aus dem europäischen Rationalismus der Weltbeherrschung hervorgehende industrielle Technik und die Kräfte, die sie mobilisierten, sehr nützlich. Den Platz der biotischen nahmen fossile Energien ein. Ökonomisches Wachstum ist nun in die Gesellschaftsformation als Akkumulation des Kapitals eingeschrieben. Ganz anders als in vorkapitalistischen Gesellschaften gehört es so sehr dazu, dass Ökonomien in Krisen und Politiker in Panik geraten, wenn das wirtschaftliche Wachstum ausbleibt. Es wird wie ein Fetisch angebetet, obwohl Wachstum einen hohen Preis hat. Denn es gibt soziale und ökologische Grenzen. Der „Zerstörungsprozess“, den Marx am Ende des Kapitels über die „große Industrie“ im ersten Band des „Kapital“ erwähnt, enthält nicht den Hoffnungsschimmer des Schöpferischen in der Zerstörung, wie Joseph A. Schumpeter mit Blick auf technische Innovationen unterstellt. Kapitalistische Akkumulation untergräbt nämlich „die Springquellen allen Reichtums“, also „die Erde und den Arbeiter“.10 Der ökonomische Akkumulations- und Wachstumsprozess kann nicht verstanden werden, wenn dessen destruktive soziale und ökologische Begleiterscheinungen jenseits des Horizonts wissenschaftlichen Interesses bleiben. Dynamik und Widersprüche, also die Universalgeschichte des Kapitalismus, werden nur die verstehen, die den Zusammenhang von Politik, Gesellschaft, Ökonomie und Natur, das heißt das gesellschaftliche Naturverhältnis, studieren.

Das ist etwas für den philosophischen Kopf. Er wird unbedingt zum Grenzgänger zwischen den Disziplinen und macht sich bei den Brotgelehrten unbeliebt, die auf die Einhaltung der Disziplin drängen. Max Weber sagt von den Grenzgängern in seiner Auseinandersetzung mit der energetischen Kulturtheorie Wilhelm Ostwalds: „Ich habe guten Grund, nicht mit Steinen nach Leuten zu werfen, welche bei Überschreitung ihres engsten Fachgebietes einige faux pas machen, denn dieses Experimentieren mit den eigenen Begriffsbildungen auf Grenz- und Nachbargebieten ist heute zunehmend unvermeidlich, so leicht dabei Fehler unterlaufen.“11 Das ist ein Motto, das über den Schreibtischen von Wissenschaftspolitikern und professionellen Wissenschaftlern hängen sollte.

Der Autismus der kapitalistischen Marktökonomie

Marx hat zum Studium des Zusammenhangs von Ökonomie, Politik, Gesellschaft und Natur einen unschätzbaren grenzgängerischen Beitrag geleistet, als er die Kategorie des Doppelcharakters der Ware, der Arbeit, der Produktion entwickelte. Ökonomische Prozesse sind zugleich solche der Wertbildung und Verwertung, vollziehen sich also im „monetären“ Bereich, im kapitalistisch geformten ökonomischen Raum, und sie sind Transformationen von Stoffen und Energien, also Veränderungen der äußeren und mithin auch der inneren Natur des Menschen. Diese Doppelseitigkeit gesellschaftlicher Aktivitäten wird in den ökonomischen Theorien des Mainstream selten, eigentlich nie, zur Kenntnis genommen.

Denn die ökonomische Theorie hat sich eine aus den gesellschaftlichen und natürlichen Kontexten „entbettete“, raum- und zeitlose kapitalistische Marktökonomie zum Gegenstand erkoren, eine Welt mit knappen Gütern und europäisch- rational agierenden homines oeconomici, so autistisch wie das Netzwerk der post-autistischen Ökonomen an Neoklassik und Neoliberalismus kritisiert. Der von Marx entdeckte Doppelcharakter von Arbeit, Produktion und Produkt verlangt eine Wissenschaft, die die ökonomischen Prozesse auch als eine Einheit sozialer, politischer und natürlicher Transformationen begreift, gewissermaßen systemisch oder besser noch: holistisch. Die Politische Ökonomie ist kritische Sozialwissenschaft und sie muss Brücken zu den Naturwissenschaften bauen, zum Beispiel durch Berücksichtigung der thermodynamischen Physik. Sie ist eine Wissenschaft von disziplinären Grenzgängern.

Marx zeigt in seinem berühmten und häufig missverstandenen Kapitel über den Fetischcharakter von Ware und Geld, wie sehr die Weltwirtschaft als ein über die Menschen gekommener Sachzwang erscheint, obwohl sie wie der feiticio (der Begriff des Fetisch stammt ja aus dem Portugiesischen) von den Menschen gemacht worden ist. Die Sachzwanghaftigkeit hat sich tief ins Bewusstsein, ja ins Unterbewusste abgesenkt. Jeder der uns im Fernsehen mit den Geheimnissen der Finanzwelt beglückenden Analysten ist ein wandelnder Fetischist, „his masters voice“. Und die Herren sind die Märkte, zumal die Finanzmärkte. Sie werden wie denkende Subjekte behandelt, ja verehrt. Märkte sprechen, verlangen und erwarten, drohen und strafen, befriedigen und enttäuschen. Sie sind mit ihren Signalen, Benchmarks, Scores und Peer Reviews das Maß aller Dinge.

Die „Satansmühle“ entbetteter Märkte

Die Entbettung der Märkte aus Gesellschaft, Politik und Natur ist jungen Datums, wie Karl Polanyi in seinem Werk „The Great Transformation“ aus dem Jahre 1944 beschreibt. Die Ökonomie war in der gesamten Menschheitsgeschichte vor dem revolutionären 18. Jahrhundert in die Gesellschaft eingebettet und konnte sich daher auch nicht gegenüber der Gesellschaft verselbstständigen, zum ökonomischen Sachzwang mutieren. Das erklärt zu einem Teil die Langsamkeit der Entwicklung bis zur industriellen Revolution. Die aus der Gesellschaft entbetteten und verselbstständigten Märkte sind „Satansmühlen“. Man kann die Gewalt der Satansmühle erahnen, wenn man die Romane von Charles Dickens über das Elend der Arbeiterklasse (zum Beispiel Oliver Twist) oder von Emile Zola über die frühen Finanzkrisen („Geld“) liest oder auch die Berichte der Fabrikinspektoren zur Kenntnis nimmt, die Marx im „Kapital“ ausgiebig zur Illustration seiner Kritik der Politischen Ökonomie zitiert. Man versteht auch die Bitternis in dem schon zitierten Verweis am Ende des 13. Kapitels des „Kapital“ auf die Zerstörung der „Springquellen allen Reichtums, der Natur und der lebendigen Arbeit“.

Doch gibt es auch eine helle Kehrseite, nämlich die menschheitsgeschichtlich einzigartige Dynamik des Kapitalismus. Denn soziale Formation des Kapitalismus, die Funktionsweise entbetteter Märkte, europäische Rationalität, die sich in moderner Technik des Industriesystems manifestieren kann, und die breite Nutzung der fossilen Energieträger passen zusammen. Alain Lipietz hat diese systemische Kongruenz als eine glückliche „historische Fundsache“ bezeichnet. So wurden die von Cipolla vermerkte enorme Beschleunigung der Entwicklung und die Umwälzungen von Ökonomie, Gesellschaft, von Politik und Kultur und nicht zuletzt auch der Natur des Planeten Erde möglich. Was möglich ist, wird auch Wirklichkeit, sagt Günther Anders. Die „Macher“ unter uns sorgen schon dafür. Das kapitalistische Weltsystem konnte nun sehr schnell in der Zeit wachsen und im Raum expandieren.

Das Mahlwerk der Satansmühle wird inzwischen von fossiler und nuklearer Energie angetrieben. Doch gibt es soziale und politische Gegenbewegungen gegen die Zerstörung von Arbeitskraft und Natur. Diese beschreibt Karl Polanyi ebenfalls. Gesellschaften, oder besser: soziale Bewegungen wie beispielsweise die Gewerkschaften wehren sich, und das System politischer Institutionen wird evolutionär, selten revolutionär verändert (so schwer ist aufrechter Gang, kommentiert Ernst Bloch), um den „Satansmühlen“ Sand ins Getriebe zu werfen. Dem Staat werden Regeln zum Schutz der Arbeitskraft „aufgeherrscht“, wie Marx im Kapitel über den Kampf um den Normalarbeitstag im „Kapital“ schreibt. Der moderne Wohlfahrtsstaat wird von der in Parteien und Gewerkschaften organisierten Arbeiterklasse erkämpft. Mit ihm kommt die später so genannte „Ambivalenz des Reformismus“ auf: Die Errungenschaften der Auseinandersetzungen um sozialstaatliche Regelungen müssen innerhalb des staatlichen Institutionensystems gegen jene Kräfte verteidigt werden, die das Rad der Geschichte immer wieder zurückdrehen wollen, die mit der Befolgung von „Sachzwängen“ des Marktes das Drehbuch des Kapitals zu realisieren gedenken.

Der moderne Wohlfahrtsstaat ist daher ein mächtiges Vehikel der Integration sozialer Bewegungen, und als er sich vor allem in der Epoche nach dem Zweiten Weltkrieg zum modernen Interventionsstaat fortentwickelt, können die Krisen der kapitalistischen Ökonomie mit den Medien von Geld, Macht und Recht bearbeitet werden. Doch der Sozial- und Interventionsstaat war zugleich Nationalstaat. Wie wir aus den regulationstheoretisch beeinflussten Debatten über den „Fordismus“ wissen, hat dieser einige Jahrzehnte im 20. Jahrhundert, in den Industrieländern bis in die 70er Jahre, verhältnismäßig gut, wenn auch nicht krisenfrei und ohne Konflikte funktioniert. Seitdem freilich befindet sich die Welt in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Es kommt zu Bewusstsein, dass die Gegenbewegungen gegen die Satansmühle vom Nationalstaat moderiert worden sind. Dieser jedoch verliert wie der biblische Samson, dem das Haar geschnitten wurde,12 die Kraft der politischen Regulation, als die „propagandistische Tendenz, den Weltmarkt herzustellen“, nicht mehr nur im Begriff des Kapitals „gegeben“ ist, sondern in die Wirklichkeit des Kapitalismus überspringt. „It’s the globalization, stupid.“ Sie unterminiert seit etwa Mitte der 70er Jahre die sozialstaatlichen Regulierungen von Nationalstaaten. Die Polanyische politische Gegenbewegung gegen die Satansmühle entbetteter Märkte ist blockiert oder rackert sich fruchtlos ab. Auf den Arbeitsmärkten nimmt die Arbeitslosigkeit zu – überall in der Welt. Das Normalarbeitsverhältnis der formellen Arbeit erodiert, und die informelle Ökonomie expandiert. Es wächst die Zahl der prekär Beschäftigten. Damit sind die Voraussetzungen für den von Ralf Dahrendorf so genannten „institutionalisierten Klassenkompromiss“ geschwunden, und die Reste werden noch politisch liquidiert; in der Bundesrepublik mit den Hartz-Reformen. Auch die Finanzmärkte sind wie ein Mahlstrom, in dem ganze Gesellschaften versinken können. Die Finanzkrisen des vergangenen Jahrzehnts in Asien, Russland oder Lateinamerika haben die jeweilige Bevölkerung zwischen 20 und 60 Prozent des Sozialprodukts gekostet.

Macht und Konsens

Dieser Umschlag der Entwicklung seit den 70er Jahren hat die Machtstrukturen in der Welt radikal transformiert. Antonio Gramscis Begriff der Hegemonie erweist sich als besonders fruchtbar und nützlich, um diese Veränderungen zu begreifen. Hegemonie ruht nicht nur auf Macht, sondern auch auf Konsens. Das koinzidiert mit Webers Begrifflichkeit von Macht und Gehorsam. Er benutzt eine wundervoll klare Definition: Unter „Herrschaft“ soll hier also der Tatbestand verstanden werden: dass ein bekundeter Wille („Befehl“) des oder der „Herrschenden“ das Handeln anderer (des oder der „Beherrschten“) beeinflussen will und tatsächlich in der Art beeinflusst, dass dies Handeln, in einem sozial relevanten Grade, so abläuft, als ob die Beherrschten den Inhalt des Befehls, um seiner selbst willen, zur Maxime ihres Handelns gemacht hätten („Gehorsam“).13

Hegemonie hat also zwei aktive Subjekte. Die Herrschenden, die sich der ökonomischen, militärischen etc. Machtmittel bedienen können, und die Beherrschten, die mit ihren sozialen und politischen Praktiken auf Kompromisse zielen. Der Konsens wird zwar institutionalisiert, ist aber nicht auf Dauer gestellt, auch wenn das Beharrungsvermögen von Institutionen nicht unterschätzt werden darf. Es ist heute in Politik- und Sozialwissenschaften verbreitet, den dialektischen und aktiven Zusammenhang von Herrschen und Beherrschtsein mit der Foucaultschen Kategorie der „gouvernementalité“ zu analysieren. Der gesellschaftliche „Ort“ der Auseinandersetzungen um Hegemonie ist vor allem die Zivilgesellschaft.14

Auf globaler Ebene agieren freilich nicht nur die Akteure der Zivilgesellschaft, sondern vor allem Staaten, internationale Organisationen und Marktakteure, das heißt transnational operierende Konzerne und Fonds. Max Weber hatte also Recht, als er in einer Definition von Macht die Bedeutung ihrer ökonomischen Dimension besonders hervorhob: „Herrschaft ist […] ein Sonderfall von Macht [...]. [D]ie Verfügung über wirtschaftliche Güter, also die ökonomische Macht, [ist] eine häufige, sehr oft auch eine planvoll gewollte Folge von Herrschaft und ebenso oft eines ihrer wichtigsten Mittel. Nicht jede […] ‚Herrschaft‘ bedient sich zu ihrer Begründung und Erhaltung ökonomischer Machtmittel. Wohl aber ist dies bei den weitaus meisten und darunter gerade den wichtigsten Herrschaftsformen in irgendeiner Art und oft in einem solchen Maß der Fall, dass die Art der Verwendung der ökonomischen Mittel zum Zweck der Erhaltung der Herrschaft ihrerseits die Art der Herrschaftsstruktur bestimmend beeinflusst“.15

Wir befinden uns nun in der Arena, die die „Internationale Politische Ökonomie“ studiert und beforscht. Mit Friedrich Schiller: Zu welchem Ende tut sie dies? Auf sehr allgemeiner Ebene ließe sich antworten: Um die Transformationen von gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Machtstrukturen zu verfolgen, um die Veränderungen der Reproduktionsbedingungen von Gewalt und Gegengewalt oder die Auseinandersetzungen um die Hegemonie im kapitalistischen Weltsystem zu begreifen. Dass nach einer so allgemeinen Antwort Auffächerungen der Thematik, eine kritische Diskussion von Begriff und Wirklichkeit des Kapitalismus und von methodischen Fragen notwendig wird, kann an dieser Stelle lediglich erwähnt werden.

Die Macht zur Aneignung und die Endlichkeit der Ressourcen

Worauf basiert die ökonomische Macht in einer kapitalistisch geprägten Weltordnung? In erster Linie auf Eigentumsrechten an Produktionsmitteln, auf Geld- und Produktivvermögen, auf Grundbesitz, also auf Verfügung über Land und Territorien, und mehr denn je zuvor auf intellektuellem Eigentum – alles in nationalstaatlichen und in internationalen Verträgen (von WIPO bis WTO, GATS und BITs, den tausenden von bilateralen Investitionsabkommen) geregelt. Eigentum ist keine statische, vor allem juristische Kategorie. Es ist wertlos ohne Aneignung, und daher kommt alles darauf an, den Prozess der Aneignung eines Überschusses, eines Mehrwerts in Produktion und Akkumulation sicherzustellen. Erst dann wird mit den ökonomischen Mechanismen des Marktes der Überschuss in der Distributionssphäre umverteilt. Daher wird von den mächtigen Nationen auf dem Weltmarkt schon immer das Lied des Freihandels gesungen, vor allem nachdem sie die Leiter „weggekickt“ haben, auf der ihnen andere Nationen, den Lehren der Modernisierungstheorie gehorchend, nachfolgen wollen – wie der britisch-koreanische Ökonom Ha- Joon Chang bemerkt, indem er den deutschen Kritiker der klassischen Freihandelslehre Friedrich List zitiert.16 Jede WTO-Handelsrunde ist ein Lehrstück über Freihandel als Ideologie und als knallharte Interessenpolitik, mit der wie jüngst in Hongkong die reichen Länder und Wirtschaftsblöcke die armen Länder über den Tisch ziehen. Daher ist es kein Wunder, dass die von den internationalen Institutionen kalkulierten Handelsgewinne zum überwältigenden Teil bei den reichen Nationen anfallen und für die ärmeren Teilnehmer am Welthandel nur Krumen bleiben.

Zur Sicherung der Aneignung sind die Mächtigen aber auch bereit, politischen Druck und militärische Gewalt zu mobilisieren, also nicht nur auf den „äußren Zwang der Konkurrenz“ des Marktes, den „stummen Zwang der ökonomischen Verhältnisse“ zu setzen.17 Man könnte über die Gewalt im Kapitalismus eine Geschichte erzählen, die viel zu lang für eine Abschiedsvorlesung ist und die jede Heiterkeit aus diesem Raum vertreiben würde. Wir sind Zeitzeugen von Gewalt, von Terror, Folter und Kriegen. Das kapitalistische Weltsystem scheint in einem Danteschen Chaos zu versinken. Dies ist die analytische Prognose von Weltsystemtheoretikern wie Immanuel Wallerstein, und sie ist – leider, wie ich normativ hinzufügen möchte – nicht abwegig.

Ein wichtiger Grund ist der Sachverhalt, dass die glückliche „historische Fundsache“, die Kongruenz von Rationalität, Technik, Markt, kapitalistischen Formen und fossilen Energieträgern, verloren geht. Denn das Öl und andere fossile Brennstoffe gehen zur Neige. Vieles spricht dafür, dass der Höhepunkt der weltweiten Ölförderung (Peakoil) in wenigen Jahren überschritten sein wird. Dann gibt es zwar immer noch Öl, doch die jährlich neu gefundenen Lager sind wesentlich kleiner als die Jahresförderung, so dass die Bestände abnehmen – und dies bei steigender Nachfrage nach Öl, weil alle neu industrialisierenden Länder, zum Beispiel Indien und China, auf den Treibstoff von Wachstum, Produktivität, die Voraussetzung von westlichem Konsummuster und Mobilität, angewiesen sind. Die bereits hoch entwickelten Länder in Nordamerika und Westeuropa sind ihrerseits kaum bereit und in der Lage, ihre Nachfrage zu drosseln.18

Einen bitteren Vorgeschmack auf die hieraus resultierenden möglichen Konflikte haben wir schon heute: Das sind beispielsweise die Konflikte um die Gaspipeline auf direktem Wege von Russland durch die Ostsee nach Deutschland, sowie der Streit zwischen Russland und der Ukraine um Preise und Transitrechte von Erdgas. Darüber hinaus spitzen sich Auseinandersetzungen um die Preisbildung und die Währung zu, in der die Ölrechnungen ausgestellt werden. Ein neues „Great Game“ um den Zugang zu den Ölressourcen und um deren Verteilung wie am Ausgang des 19. Jahrhunderts ist eröffnet. Diesmal aber ist das „Spielfeld“ nicht auf den Kaukasus beschränkt. Es hat globale Ausmaße von Lateinamerika, wo Hugo Chávez versucht, die lateinamerikanische Wirtschaftsintegration mit kontinentalen Energienetzwerken zu forcieren, nachdem die ALCA zum Scheitern gebracht worden ist, bis Ostasien, wo China eine Pipeline in Richtung Zentralasien baut. Heftige Auseinandersetzungen sind also zu erwarten. Das „Great Game“ ist ein Nullsummenspiel, und das haben die USA wohl begriffen. Daher hat ihr Unilateralismus eine höchst rationale Basis, ist also nicht die Marotte der besonders reaktionären Bush-Regierung.

Die erwähnte Kongruenz von Kapitalismus und Fossilismus erweist sich nun als eine Falle. Fossile Energien haben ein natürliches Maß. Darauf hat der Club of Rome schon zu Beginn der 70er Jahre zu Recht verwiesen, auch wenn er sich über das quantitative Ausmaß täuschte. Denn ihre Verfügbarkeit und die Tragfähigkeit der natürlichen Sphären für die Verbrennungsprodukte, vor allem das CO2, sind begrenzt. Doch das gesellschaftliche System des Kapitalismus ist autoreferenziell und daher maßlos, ein „Automat“, der, wie Karl Marx schreibt, die „eingeborne geheime Qualität“ besitzt, „in geometrischer Progression Mehrwert zu erzeugen“.19 Diese Maßlosigkeit ist seit Aristoteles Thema und hat ihn veranlasst, zwischen maßvoller (und natürlicher) Hauswirtschaft und maßloser (unnatürlicher) Geldwirtschaft zu unterscheiden.

Die universalgeschichtliche Diagnose der Gegenwart als Geschichte der longue durée (Fernand Braudel) des globalen Kapitalismus seit der industriellen Revolution fördert eine politisch außerordentlich relevante Paradoxie zu Tage. Das Wachstum in der Zeit und die Expansion im Raum der kapitalistischen Produktionsweise geraten an Grenzen, und gleichzeitig scheint die Überwindung dieser Grenzen immer dringlicher. Sie ist sogar in den normativen Katalog der „good governance“ aufgenommen. Regierungshandeln wird danach bewertet, welche Wachstumsraten es hervorzaubern kann. Diese Paradoxie kann nicht mehr mit immanenter oder mit Ideologiekritik aufgelöst werden. Dazu bedarf es der materialistischen Kritik, die mit den Denkformen die gesellschaftlichen Verhältnisse kritisiert, aus denen sie erwachsen.

Fast-Food-Wissenschaft: The proof of the pudding

Ich komme zum Schluss, nicht ohne eine kleine Bemerkung zum „name dropping“ zu machen. Ich habe in dieser kurzen Abschiedsvorlesung viele Namen genannt. Dies ist nicht geschehen, um Gelehrsamkeit vorzutäuschen und einen „Uni-Bluff“ – wie Wolf Wagner vor mehr als 30 Jahren an diesem Institut kritisierte – zu landen. Die erwähnten Wissenschaftler unserer Disziplinen sind vielmehr, wie es Marx ausdrückt, die Riesen, auf deren Schultern wir stehen. Wir zehren von ihrem Wissensfundus, wir dürfen ihn nicht verachten. Wir müssen uns wieder angewöhnen, interessiert zu lesen, mit Neugier zu diskutieren, kritisch zu fragen und zu schreiben, so wie wir uns darauf besinnen müssen, gut zu kochen, gut zu essen und zu trinken und die Fast-Food-Wissenschaft ebenso wie Fast-Food-Fressbuden rechts liegen zu lassen. Wir wollen nicht nur Brot wie die Brotgelehrten, sondern auch einen geschmackvollen Nachtisch, zum Beispiel einen Pudding.

Was aber ist „the proof of the pudding“? Die Antwort lautet: „It is in the eating.“ Man kann nur feststellen, ob der Pudding schmeckt, nachdem man ihn gegessen hat. So einfach ist das. Ich habe dieses englische Sprichwort, das man auch in Verzeichnissen britischer Sprichwörter findet, von Friedrich Engels. Er zitiert in seiner Schrift über „historischen Materialismus“ aus dem „Faust“ von Goethe: „Im Anfang war die Tat.“ Und fügt hinzu: „[M]enschliche Tat hatte die Schwierigkeit schon gelöst, lange ehe menschliche Klugtuerei sie erfand. The proof of the pudding is in the eating.“20 Aber um beim Essen Qualitätskriterien anwenden zu können, müssen die Geschmacksnerven, die Sinneszellen, der Geist geschärft und viele Erfahrungen gesammelt und verglichen werden, muss man ein „philosophischer Kopf“ und kulinarischer Genießer sein. Dann findet man auch eine einfach klingende Antwort auf die Frage: Zu welchem Ende betreiben wir Kapitalismuskritik? Wir betreiben sie in praktischer Absicht, weil wir die Welt verändern müssen, wenn wir wollen, dass sie bleibt. Die Geschichte ist nicht am Ende. Es gibt Alternativen. Es ist notwendig, sie zu erdenken, zu entwickeln und sich für die Realisierung in gesellschaftlicher, das heißt heute in global vernetzter Praxis einzusetzen. Theoretisch im Studium, und praktisch in der Politik.

Die praktische Dimension der Kapitalismuskritik wäre nun genauer zu erläutern und zu studieren. Die Abschiedsvorlesung könnte also das Preludium einer Antrittsvorlesung Schillerschen Formats sein. Das mag Sie erstaunen. Doch hören Sie, was Michel de Montaigne (1533-1592) im dritten Buch seiner „Essais“ – im 11. Essai „Über die Hinkenden“ – zum Staunen zu sagen hat: „[D]as Staunen ist die Grundlage aller Philosophie, das Forschen ihr Fortschritt, die Unwissenheit ihr Ende. Ja, in der Tat, es gibt eine Unwissenheit, die so fundiert und so weit gespannt ist, dass sie an Würde und Wagemut dem Wissen in keiner Weise nachsteht – eine Unwissenheit, die sich zu erwerben nicht weniger Erkenntnisfähigkeit verlangt als der Erwerb von Wissen.“ Wir strengen uns bei der Analyse der kapitalistischen Dynamik mit der uns verfügbaren intellektuellen Kraft an, unser Wissen wächst und zugleich unsere Unwissenheit. Das hat Nikolaus von Kues mit seinem paradoxen Begriff der docta ignorantia, der „gelehrten Unwissenheit“, auf den Punkt gebracht. Enttäuschend also, dass Kapitalismuskritik nicht das sichere Wissen ist, das nur in Praxis umgesetzt werden müsste.

Das Gute und Hoffnungsfrohe aber ist, dass das Wissen um das gelehrte Nichtwissen, also nicht die leider viel weiter verbreitete, geradezu epidemische Dummheit, Freiheitsgrade öffnet für die politische Praxis und dann, in kollektiver Forschung rückwirkend, neue theoretische Einsichten.

1 MEW 21, S. 281.
2 MEW 13, S. 636.
3 Karl Polanyi, The Great Transformation. The Political and Economic Origins of Our Time, Boston 1944.
4 MEW 23, S. 12, 15.
5 Karl Marx und Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie, MEW 3, S. 56 f.
6 Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Berlin-Ost 1974, S. 311.
7 Angus Maddison, The World Economy: A Millennial Perspective, Paris 2001.
8 Britischer Schriftsteller („The Castle of Otranto“) und 4. Earl of Orford, 1717-1797 – E.A.
9 Carlo M. Cipolla, Before the Industrial Revolution. European Society and Economy, 1000-1700, New York 21980, S. 2.
10 MEW 23, S. 529 f.
11 Max Weber, „Energetische“ Kulturtheorien, Weber-WL, S. 424.
12 Altes Testament, Buch der Richter, Kapitel 12 bis 16.
13 Vgl. Weber-WuG, S. 544.
14 Die sozioökonomischen und politischen Veränderungen seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts blitzen auf, wenn man sich erinnert, dass Theodor Geiger noch in den 20er Jahren den Betrieb – und nicht die „Zivilgesellschaft“ – als „kardinalen Ort“ gesellschaftlicher Konflikte kartographierte.
15 Vgl. Weber-WuG, S. 541.
16 Ha-Joon Chang, Kicking Away the Ladder. Development Strategy in Historical Perspective, London 2002.
17 MEW 23, S. 366, 765.
18 Vgl. hierzu ausführlich Elmar Altvater, Das Ende des Kapitalismus, in: „Blätter“ 2/2006, S. 171-183; ders., Öl-Empire, in: „Blätter“ 1/2005, S. 65-74; ders., Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen. Eine radikale Kapitalismuskritik, Münster 2005.
19 MEW 25, S. 412.
20 MEW 22, S. 296.

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