Ausgabe Februar 2006

Im freien Fall

Italien nach fünf Jahren Berlusconi

Am 9. April wird in Italien ein neues Parlament gewählt. Die Hoffnungen großer Teile des liberalen Europas richten sich auf das Ende der Ära Berlusconi. Doch diese Hoffnungen greifen zu kurz: Mit Silvio Berlusconi endet nicht der „Berlusconismus“, jene besondere italienische Situation, die das Phänomen Berlusconi überhaupt erst möglich gemacht hat.

Unter der Regentschaft Berlusconis ist Italien in der lang andauernden Endphase jenes Prozesses angelangt, der die Prämissen bürgerlicher Demokratien auch anderswo grundsätzlich in Frage stellt. Dieser Prozess der so genannten Globalisierung ist gekennzeichnet durch das Primat der Ökonomie, genauer: des Finanzkapitals, die Krise der demokratischen Institutionen und den Abbau des Sozialstaates. Doch die italienische Gesellschaft ist heute besonders schutzlos den Folgen der Globalisierung ausgesetzt – ein Resultat nicht zuletzt der nachhaltigen Konditionierung der politischen Entwicklung in einem Land, das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein unverzichtbarer Bestandteil der US-Strategie in Südeuropa war und ist.

Mit dem Ende des dualen Weltsystems kamen in Italien in den 90er Jahren Krisen zum Ausbruch, die bis dahin unter der Oberfläche geblieben waren.

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