Ausgabe Februar 2006

Ostasien: Erweitern oder vertiefen?

Seit dem ersten APEC-Gipfel vor wenig mehr als einem Jahrzehnt, auf dem die Schaffung einer „pazifischen Gemeinschaft“ beschworen wurde, hat kein Spitzentreffen im asiatisch-pazifischen Raum mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen als der erste Ostasien-Gipfel am 14. Dezember 2005 in Kuala Lumpur. Gastgeberland Malaysia hatte im Vorfeld angekündigt, die Zusammenkunft, die im Anschluss an den Gipfel der südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN) und der ASEAN+3 (ASEAN plus Japan, China und Südkorea) stattfand, werde „der erste Meilenstein auf dem Weg zu einer integrierten ostasiatischen Gemeinschaft“, ein „machtvolles Zeichen des Vertrauens und Selbstbewusstseins der Länder der Region, auf das die Welt wartet“. Sogar das zurückhaltende japanische Außenministerium bezeichnete den Ostasien- Gipfel prospektiv als „wichtigen institutionellen Rahmen für die Gemeinschaftsbildung in Ostasien“.

Zahlreiche Staaten, die bislang nicht oder nur wenig am ostasiatischen Regionalismus partizipierten, hatten sich zuvor darum bemüht, eine Einladung zum Ostasien-Gipfel zu erhalten. Die Frage der Teilnahme dominierte auch die Verhandlungen im Vorfeld, während die inhaltlichen Vorbereitungen kaum vom Fleck kamen. Vor allem Australien und Neuseeland vergrößerten ihre diplomatischen Anstrengungen, von Anfang an dabei zu sein.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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