Am 11. Dezember gewann eine Frau, Michelle Bachelet, die erste Runde der chilenischen Präsidentschaftswahl. Damit, so die These von Präsident Ricardo Lagos, endet die Phase der „transición“ und Chile tritt in die demokratische Normalität ein. Seit 1990 wird Chile im Rahmen der „Concertación“ im Wechsel von Sozialisten, Sozial- und Christdemokraten regiert. Und der Sozialdemokrat Lagos reklamiert nun das historische Verdienst für sich, den endgültigen Übergang von der Militärdiktatur zur normalen Demokratie vollbracht zu haben. Tatsächlich wurde der wichtigste Schritt zur Normalität am 18. September 2005 getan, als Lagos in der „Moneda“ – Chiles Präsidentenpalast – die neue Verfassung präsentierte. Damit entfielen die meisten Sonderbestimmungen der Pinochet-Verfassung von 1980, welche die Militärs zu Herren und Hütern einer hierarchischen Gesellschaft gemacht hatte. Seit diesem Zeitpunkt unterstehen die Streitkräfte der zivilen Präsidentschaft, die lebenslangen Senatoren – wie General Pinochet einer war – verschwanden, und die einst sechsjährige Präsidentschaft schrumpfte auf vier Jahre. Dass die Moneda ihres imperialen Stils entkleidet wurde und heute Besuchern und Touristen offen steht, unterstreicht die neue Normalität ebenso wie die Tatsache, dass nun in einigen Kinos der Film „Salvador Allende“ läuft, der voller Respekt Leben und Werk des seinerzeitigen Unidad-Popular-Präsidenten dokumentiert.
Seit März regiert in Chile José Antonio Kast – und damit erstmals seit der Rückkehr des Landes zur Demokratie ein Vertreter der Ultrarechten und Bewunderer des ehemaligen Diktators Augusto Pinochet, der das Land von 1973 bis 1990 beherrschte.