Anhänger der Dependenztheorie wurden in der jüngeren Vergangenheit zunehmend durch Berichte aus der Welt des Big Bussiness irritiert. Die letzte Forbes-Liste der 476 internationalen Dollar-Milliardäre enthielt beispielsweise zehn Personen aus Indien, acht aus China, 21 aus Lateinamerika, von 33 Russen ganz zu schweigen. Dass es sich dabei nicht bloß um einige neureiche Einzelpersonen handelt, die sich als „Kompradoren“ an die weltweite Ausbreitung des Kapitalismus hängen, zeigt ein Blick auf die Unternehmenslandschaft von Schwellenländern aus dem Süden: Chinesische Konzerne haben allein in den beiden letzten Jahren mehr als 30 Mrd. US-Dollar in internationale Übernahmen investiert. Wer möchte, kann sich heute unter dem Namen „Lenovo 3000“ chinesische Laptops oder Desktops kaufen – nachdem der chinesische Computerhersteller Lenovo 2005 die Personalcomputer- Sparte von IBM übernommen hat. Fünf der zehn größten Reedereien der Welt stammen bereits aus Entwicklungsbzw. Schwellenländern; die Wirtschaftspresse berichtet fast täglich über kleinere oder größere Fusionsfälle, bei denen Unternehmen aus der Ersten Welt von Konzernen der Dritten Welt übernommen werden.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.