Ausgabe Juli 2006

Planet der Slums

Der Planet der Slums ist etwas absolut Neues. Erst seit wenigen Jahren sind wir in der Lage, die globale Dimension der Urbanisierung zu erkennen. So erstaunlich es klingt, aber in den klassischen Sozialwissenschaften – egal ob bei Marx, Weber oder auch in der Modernisierungstheorie aus den Zeiten des Kalten Krieges – ist nirgendwo antizipiert worden, was mit der Stadt in den letzten 30 oder 40 Jahren geschehen ist. Niemand sah das Aufkommen einer großen Klasse voraus, die überwiegend aus jugendlichen Stadtbewohnern besteht, welche keine reguläre Beziehung zur Weltwirtschaft haben und auch keine Chance, jemals in eine solche zu treten. Bei dieser informellen Arbeiterklasse handelt es sich weder um das Lumpenproletariat von Karl Marx, noch um das „Slum der Hoffnung“ voller Menschen, die letztlich Anschluss an die reguläre Wirtschaft finden werden, wie man es sich vor 20 oder 30 Jahren vorstellte. Abgedrängt an die Peripherie der Städte und gewöhnlich ohne Zugang zur traditionellen Kultur dieser Städte stellt diese informelle globale Arbeiterklasse eine präzedenslose Erscheinung dar, die kein Theoretiker vorhersah.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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