Ausgabe Juli 2006

Revoltierendes Brasilien

Gefängnisrevolten mit Verletzten, Geiseln oder gar Toten gibt es in Brasilien regelmäßig, ohne dass sie dabei große mediale Aufmerksamkeit erregen. Der Gefängnisaufstand vom vergangenen Mai gelangte jedoch nicht ohne Grund sogar in die internationalen Medien, denn er war wesentlich umfangreicher als seine Vorgänger – und sollte in der Tat als gesellschaftliches Warnsignal verstanden werden.

Brasilien ist ein Land der extremen Armut und des extremen Reichtums. Dem brasilianischen Wirtschaftsforschungsinstitut IPEA zufolge wird das Land in seiner ungleichen Einkommensverteilung weltweit nur von Sierra Leone übertroffen. Danach besitzt das eine Prozent an der Spitze so viel wie die 50 Prozent mit dem geringsten Einkommen. 1 Hohe Kriminalität und ihre brutale Bekämpfung sind die Folge. Polizisten, die ihre Waffen auf Passanten anlegen, gehören zum Alltag – nicht nur in São Paulo, und hier insbesondere in der Peripherie, den von Touristen nicht besuchten einkommensschwachen Stadtteilen. Die jüngsten Bilder und Nachrichten aus Brasilien zeigen insofern die unschöne und gern ignorierte soziale Schattenseite Brasiliens.

Am 12. Mai begannen in zahlreichen Gefängnissen des Bundesstaates São Paulo Gefängnisrevolten, die von der kriminellen Organisation Primeiro Comando da Capital (PCC) ausgingen.

Sie haben etwa 14% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 86% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Lateinamerika