Ausgabe März 2006

Besser verdient, besser bedient

Auch nach den familienpolitischen Reformen der vergangenen Jahre ist Deutschland weiterhin zur Gruppe der konservativen Wohlfahrtsstaaten zu zählen. Letztere sind durch eine staatliche Familienpolitik gekennzeichnet, welche die traditionelle geschlechtsspezifische Aufteilung von Erwerbs- und Betreuungsarbeit vorrangig unterstützt. Doch allmählich scheint sich quer durch die Parteien die Erkenntnis durchzusetzen, dass dieses traditionelle Arrangement problematisch ist. Zum einen geht es an den tatsächlichen Wünschen der (potentiellen) Eltern – insbesondere der Mütter – vorbei, für die der gleichzeitige Wunsch nach „Familie“ und Berufstätigkeit häufig ein nicht überwindbares Dilemma darstellt. Zum anderen ist die Dominanz des Allein- oder Haupternährermodells vor allem für Familien in den unteren Einkommensklassen mit einem erheblichen Armutsrisiko verbunden. Im Zentrum der sich allmählich abzeichnenden Konturen der familienpolitischen Vorhaben der neuen Regierung stehen deshalb erstens das „Vereinbarkeits-“ oder „Betreuungsproblem“ und zweitens die explizite Zielsetzung einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Kindern.

Insbesondere in Westdeutschland herrscht in den ersten Lebensjahren der Kinder die elterliche Betreuung – vor allem durch die Mütter – vor, die sich zu diesem Zweck ganz oder teilweise aus der Erwerbstätigkeit zurückziehen.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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