Ausgabe März 2006

Besser verdient, besser bedient

Auch nach den familienpolitischen Reformen der vergangenen Jahre ist Deutschland weiterhin zur Gruppe der konservativen Wohlfahrtsstaaten zu zählen. Letztere sind durch eine staatliche Familienpolitik gekennzeichnet, welche die traditionelle geschlechtsspezifische Aufteilung von Erwerbs- und Betreuungsarbeit vorrangig unterstützt. Doch allmählich scheint sich quer durch die Parteien die Erkenntnis durchzusetzen, dass dieses traditionelle Arrangement problematisch ist. Zum einen geht es an den tatsächlichen Wünschen der (potentiellen) Eltern – insbesondere der Mütter – vorbei, für die der gleichzeitige Wunsch nach „Familie“ und Berufstätigkeit häufig ein nicht überwindbares Dilemma darstellt. Zum anderen ist die Dominanz des Allein- oder Haupternährermodells vor allem für Familien in den unteren Einkommensklassen mit einem erheblichen Armutsrisiko verbunden. Im Zentrum der sich allmählich abzeichnenden Konturen der familienpolitischen Vorhaben der neuen Regierung stehen deshalb erstens das „Vereinbarkeits-“ oder „Betreuungsproblem“ und zweitens die explizite Zielsetzung einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Kindern.

Insbesondere in Westdeutschland herrscht in den ersten Lebensjahren der Kinder die elterliche Betreuung – vor allem durch die Mütter – vor, die sich zu diesem Zweck ganz oder teilweise aus der Erwerbstätigkeit zurückziehen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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