Ausgabe Mai 2006

Linksfusion mit Hindernissen

Die Euphorie war groß. Nach dem Achtungserfolg der „Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ (WASG) bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai 2005 und dem Übertritt des früheren SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine strömten der im Protest gegen die Hartz-Reformen entstandenen Partei tausende neuer Mitglieder zu. Angesichts der von Gerhard Schröder überstürzt angesetzten Neuwahlen zum Bundestag schmiedeten WASG und PDS eine Wahlallianz, in der viele die „historische Chance“ sahen, erstmals eine Formation links von der SPD im bundesdeutschen Parteiensystem zu etablieren.1 Gekrönt wurde dieser Sommer des Aufbruchs schließlich durch das Ergebnis der Bundestagswahl im September, bei der „Die Linke“ 8,7 Prozent der abgegebenen Stimmen sowie 54 Mandate erringen konnte und damit auf Anhieb stärker wurde als die Grünen.

Ein gutes halbes Jahr später ist die Euphorie verflogen. Im März gelang es der WASG bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland- Pfalz nicht, die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden. Mit 3,1 bzw. 2,5 Prozent der Stimmen scheiterte die Partei auf dem Niveau der NRW-Wahl, was jedoch inzwischen – gerade angesichts der großen Koalition im Bund – keinen Achtungserfolg mehr darstellt, sondern Stagnation bedeutet. In Sachsen-Anhalt schließlich konnte die Linkspartei.

Cover Mai 2006

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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