Zehn Jahre ist es her, da versprachen die Regierungen auf dem Welternährungsgipfel in Rom, die Anzahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren. Das Ziel von 1996 klang schon damals zynisch – nahm man doch die andere Hälfte des Elends einstweilen in Kauf. Was jedoch schwerer wiegt: Selbst dieses Ziel wird verfehlt werden. Ende Oktober wird die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in Rom eine katastrophale Zwischenbilanz von zehn Jahren Hungerbekämpfung ziehen müssen: Die Zahl der Hungernden ist nicht gesunken, sondern gestiegen, von damals 840 auf heute 852 Millionen. Wirkliche Erfolge sind lediglich in China und Teilen Indiens zu verzeichnen. In Afrika dagegen wächst die Zahl der Hungernden immer noch um jährlich eine Million. Weltweit sterben täglich 80000 Menschen an den Folgen des Hungers. Nach UN-Gepflogenheiten wäre zur „Halbzeit“ des Programms eigentlich ein Regierungsgipfel angesagt. Angesichts der beschämenden Bilanz nimmt es jedoch nicht wunder, dass das diesjährige Treffen zu einem „Sonderforum“ herabgestuft wurde, an dem lediglich die Botschafter teilnehmen müssen. Regierungschefs und Landwirtschaftsminister bleiben offenbar lieber zu Hause, anstatt sich öffentlich der Verantwortung zu stellen.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.