Zehn Jahre ist es her, da versprachen die Regierungen auf dem Welternährungsgipfel in Rom, die Anzahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren. Das Ziel von 1996 klang schon damals zynisch – nahm man doch die andere Hälfte des Elends einstweilen in Kauf. Was jedoch schwerer wiegt: Selbst dieses Ziel wird verfehlt werden. Ende Oktober wird die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in Rom eine katastrophale Zwischenbilanz von zehn Jahren Hungerbekämpfung ziehen müssen: Die Zahl der Hungernden ist nicht gesunken, sondern gestiegen, von damals 840 auf heute 852 Millionen. Wirkliche Erfolge sind lediglich in China und Teilen Indiens zu verzeichnen. In Afrika dagegen wächst die Zahl der Hungernden immer noch um jährlich eine Million. Weltweit sterben täglich 80000 Menschen an den Folgen des Hungers. Nach UN-Gepflogenheiten wäre zur „Halbzeit“ des Programms eigentlich ein Regierungsgipfel angesagt. Angesichts der beschämenden Bilanz nimmt es jedoch nicht wunder, dass das diesjährige Treffen zu einem „Sonderforum“ herabgestuft wurde, an dem lediglich die Botschafter teilnehmen müssen. Regierungschefs und Landwirtschaftsminister bleiben offenbar lieber zu Hause, anstatt sich öffentlich der Verantwortung zu stellen.
Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst seit Jahrzehnten und erreicht inzwischen demokratiegefährdende Ausmaße. Dabei droht die neoliberale Ökonomisierung der Politik in eine autoritäre Politisierung der Ökonomie zu kippen, die nicht nur die Demokratie, sondern auch den Wettbewerb untergräbt.