Ausgabe Dezember 2007

Das Kaczynski-Syndrom

16 Monate währte die gemeinsame Amtszeit der Zwillingsbrüder Kaczynski. In dieser Zeit standen Präsident und Premierminister fast durchgängig im Kreuzfeuer der Kritik – nicht nur im Ausland, insbesondere nach der Blockade der Verhandlungen in Brüssel, sondern auch in Polen selbst. Die polnische Gesellschaft war seit Monaten gespalten – in Unterstützer und Kritiker der Kaczynski-Brüder.

So hatte der parteilose ehemalige Vorsitzende der Solidarnosc und frühere Staatspräsident Lech Walesa vor den Wahlen im Oktober d. J. angekündigt, bei einem Sieg der Kaczynskis noch am Wahlabend eine neue Partei als Sammlungsbewegung der Gegner zu gründen.1 Der ehemalige Außenminister und angesehene Historiker Wladyslaw Bartoszewski, Überlebender von Auschwitz und im kommunistischen Polen aufgrund seines kritischen Engagements zweimal inhaftiert, warf der Regierung Kaczynski vor, ihre fehlende diplomatische Kompetenz durch Parteiinteressen ersetzt zu haben. Letztlich handele es sich bei ihnen um zutiefst frustrierte Personen, die ihre Komplexe an der Nation abreagieren.2

Ebenso beklagen sich Auslandspolen wie Andrzej Rybak, Korrespondent der „Financial Times Deutschland“, seit langem darüber, dass sie ihr Land nicht mehr wieder erkennen.

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