Ausgabe Mai 2007

Kampf um Kurdistan

„Eine Operation in den Irak ist notwendig“, erklärte der türkische Generalstabschef, Yasar Büyükanit, am 12. April. Die von Ankara als Terrororganisation eingestufte Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) habe ihre Stellungen im Nordirak mit Unterstützung der dortigen Führung immer weiter ausgebaut und ihre Überfälle auf die Türkei beträchtlich intensiviert; nach Angaben der Armee sind alleine in der ersten Aprilwoche zehn türkische Soldaten getötet worden.

Mit der Ankündigung des Generalstabschefs droht dem kurdisch-türkischen Konflikt, in dem in den vergangenen Jahrzehnten über 37 000 Menschen getötet, 3600 Weiler und Dörfer zerstört und etwa drei Millionen Kurdinnen und Kurden vom türkischen Militär vertrieben wurden, eine erneute Eskalation.

Vertane Chance auf Frieden

Dabei hat Ankara in den vergangenen Jahren die Chance für eine politische Lösung des Konflikts wiederholt verstreichen lassen. Bereits nach der Inhaftierung ihres Führers Abdullah Öcalan im Jahre 1999 hatte die PKK einen einseitigen Waffenstillstand verkündet und sich vom Ziel eines eigenen Kurdenstaates auf dem Boden der Türkei verabschiedet. Stattdessen erklärte die Guerillaorganisation, nunmehr für eine politische Lösung im Rahmen des türkischen Nationalstaates einzutreten.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der Lieferketten-Backlash – und was trotzdem bleibt

von Armin Paasch, Miriam Saage-Maaß

Nach langem Ringen hat das Europäische Parlament am 16. Dezember 2025 dem sogenannten Omnibus-I-Paket zugestimmt, das zentrale Regelwerke des European Green Deal »vereinfachen« soll. Tatsächlich hat die Europäische Volkspartei damit allerdings nicht vereinfacht, sondern vielmehr die »Brechstange« (Manfred Weber, CSU) an die EU-Lieferkettenrichtlinie angesetzt.