Ausgabe September 2007

Deutsche Afrikapolitik in der Sackgasse

Afrika gilt in Deutschland gemeinhin als hoffnungsloser Kontinent, Ort zahlreicher Kriege, andauernder ethnischer Konflikte, ständig wiederkehrender Naturkatastrophen, größter Armut und menschlichen Elends sowie verheerender Krankheiten wie Aids. Diese Wahrnehmung Afrikas als Problemkontinent teilen die breite Bevölkerung und viele Auslandsredaktionen von Fernsehen, Rundfunk und Presse.

Die bundesdeutsche Wirtschaft ließ sich von dieser pessimistischen Sichtweise Afrikas allerdings nie gefangen nehmen. Ganz Exportweltmeister, verfolgen deutsche Unternehmen auch in Afrika ihre Interessen. Dabei ließ man sich in der Vergangenheit weder durch korrupte Militärregime wie in Nigeria noch durch rassistische Verbrecherregime wie im Südafrika während der Apartheid beim Geschäftemachen stören. Schließlich half auch die Politik der deutschen Wirtschaft – nicht zuletzt mittels einer Entwicklungshilfe, die so manchen Potentaten stützte.1

Während nach dem Ende des Kalten Krieges Afrika kurzzeitig in den Schatten des Weltinteresses geriet und Osteuropa wie Asien Aufmerksamkeit und Kapital auf sich zogen, ist inzwischen neues Interesse am Kontinent entfacht. Denn Afrikas Wirtschaft wächst, seine Rohstoffe gewinnen aufgrund des Nachfragesogs aus Asien an strategischem Gewicht, die Konkurrenz aus Fernost nimmt mehr und mehr Einfluss,2 und auch die afrikanischen Politiker gewinnen an Selbstbewusstsein.

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von Simone Schlindwein

Es sind grausame Szenarien, die für Afrika projiziert werden. Von „zehn Millionen Toten“ durch das Coronavirus auf dem Kontinent warnte Microsoft-Gründer Bill Gates bereits im Februar: Ein massiver Ausbruch würde die ohnehin maroden Gesundheitssysteme Afrikas „überwältigen“ und dadurch zu einem Massensterben führen, erklärte er. Die Warnung Gates‘ kam nur wenige Stunden bevor in Ägypten der erste Covid-19-Fall auf dem Kontinent bestätigt wurde. Seitdem breitet sich das Virus stetig weiter gen Süden aus und mit ihm auch die Angst.