Ausgabe September 2007

Kontinuierliche Katastrophe

Der arabisch-afrikanische Konflikt im Sudan

Machtmissbrauch, Korruption, Armut, Bürgerkrieg und Staatszerfall – in der großen Gruppe schlechter Regierungen auf dem afrikanischen Kontinent nimmt der Sudan einen führenden Platz ein. Seit über 50 Jahren befindet sich Afrikas flächengrößter Staat in einer permanenten Krise. Nach der Erlangung seiner Unabhängigkeit von der britisch-ägyptischen Kolonialherrschaft im Jahr 1956 erlebte das Land nur elf Jahre Frieden, während es in der übrigen Zeit gleich von mehreren Konflikten und Bürgerkriegen förmlich zerrissen wurde.

Das Versagen des sudanesischen Staates ist vor allem auf ein verfehltes Nation-Building zurückzuführen, das wiederum auf der Unfähigkeit und dem Unwillen der Eliten beruht, eine politische Kultur zu etablieren, die dem multikulturellen, vielsprachigen Land gerecht wird. Stattdessen wurde das politische Zentrum in Khartum von der arabischen Minderheit zum Machtfaktor ausgebaut, der Ressourcen auf Kosten der übrigen Bevölkerungsgruppen akkumuliert und ihnen gegenüber als „Warlord“ auftritt.1 Die Machthaber verfolgen ihre politischen und ökonomischen Interessen unter weitgehendem Ausschluss der Regionen. Auf die Partizipationsversuche der marginalisierten Gebiete reagieren sie mit grausamen Feldzügen, bei denen schlimme Menschenrechtsverletzungen, Massaker und Verstümmelungen begangen werden.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Bild: Aminatou Haidar (imago images / TT)

Westsahara: Afrikas letzte Kolonie

von Aminatou Haidar

Seit 56 Jahren steht das Thema auf der Agenda der Vereinten Nationen. Jetzt hat der UN-Sicherheitsrat beschlossen, das Leiden der Menschen in der Westsahara, der letzten Kolonie Afrikas – flächenmäßig größer als Großbritannien, aber eingezwängt zwischen Marokko, Algerien, Mauretanien und dem Meer –, weiter zu verlängern.

Alte Macht, junge Revolte: Afrikas dritte Protestwelle

Bild: imago images / Kyodo News

Alte Macht, junge Revolte: Afrikas dritte Protestwelle

von Julia Schweers

Ob in Hongkong, Lateinamerika oder dem Mittleren Osten – überall begehren vor allem junge Menschen gegen ihre Regierungen auf. Weniger Beachtung findet dagegen die Tatsache, dass auch in Afrika der Frust der Jugendlichen immer stärker wächst.

Deutsch-französischer Wettlauf um Afrika

von Frauke Banse

Auf die Frage, was die „globalen Anfechtungen“ aus China, Russland und den USA mit Europa machen würden, antwortete Angela Merkel jüngst in einem Zeitungsinterview: „Sie fordern uns immer wieder ab, gemeinsame Positionen zu suchen. […] Unsere Afrikapolitik folgt inzwischen einer gemeinsamen Strategie, die vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wäre.