Ausgabe März 2008

Die ökologische Zweiklassengesellschaft

Angesichts der Verschärfung ökologischer Probleme, allen voran der voranschreitende Klimawandel, appellieren deutsche Umweltverbände immer eindringlicher auch an jeden einzelnen Bürger, seine Verhaltens- und Konsumweisen zu überdenken. Tipps zum Kauf und Bezug von umweltverträglichen Produkten und Dienstleistungen haben Hochkonjunktur, weil damit, so die berechtigte Hoffnung, ein notwendiger und sinnvoller Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung in diesem Land geleistet werden kann. Nach dem Motto: „Wir haben es in der Hand, welche Welt wir unseren Kindern hinterlassen“, wird der Einzelne in die ökologische Verantwortung genommen.

Es bleibt jedoch die Frage, welchen Bürgerinnen und Bürgern es überhaupt möglich ist, ihre Wohnungen energetisch nachzurüsten, Bio-Lebensmittel zu kaufen oder sich Energie sparende Elektrogeräte anzuschaffen? Wer ist wie stark davon betroffen, wenn beispielsweise die Pegel der Elbe steigen, wer vermag sich in welchem Umfang vor solchen Extremwetterereignissen zu schützen und in seinem Umweltverhalten anzupassen? Kurz: Wo werden Umweltprobleme auch zu Fragen der Gerechtigkeit?

Spätestens seit Beginn der Nachhaltigkeitsdebatte beginnen auch die Umweltverbände, sich nicht länger allein mit der Frage der Reduktion von Umweltbelastungen zu befassen, sondern auch damit, wie dies sozial gerecht geschehen kann.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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