Ausgabe November 2008

Südamerikas neues Selbstbewusstsein

„Wenn es jemals eine US-Hegemonie in Lateinamerika gab, ist sie jetzt vorbei“, resümierte unlängst das amerikanische Council on Foreign Relations. 1 US-Militärstrategen freilich sind nicht ohne weiteres bereit, diesen Zustand hinzunehmen.

„Wenn es jemals eine US-Hegemonie in Lateinamerika gab, ist sie jetzt vorbei“, resümierte unlängst das amerikanische Council on Foreign Relations. 1

US-Militärstrategen freilich sind nicht ohne weiteres bereit, diesen Zustand hinzunehmen. In ihren Szenarios eines ständigen Kleinkriegs spielt Kolumbien, Hauptkampfzone gegen die „Nar-co-Guerilla“ und engster Verbündeter Washingtons in der Region, eine besondere Rolle. Mit der Reaktivierung der für die Region bestimmten „Vierten Flotte“ hat die Bush-Administration zudem signalisiert, dass die USA weiterhin ein gewichtiges Wort bei der Gestaltung des Subkontinents mitreden wollen.

Lateinamerikanische Diplomaten und Analytiker beobachten die militärstrategischen Debatten im „Imperium“ mit einer Mischung aus Entrüstung, Kopfschütteln und Amusement: Wenn Washington glaubt, „uns“ zu verlieren, müssen wir doch einiges getan haben, um diesen Vorgang in Gang zu setzen oder zu beschleunigen!

Zweifellos produziert der in Washington viel diskutierte Verlust an absoluter Suprematie bzw.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Lateinamerika