Ausgabe November 2008

Südamerikas neues Selbstbewusstsein

„Wenn es jemals eine US-Hegemonie in Lateinamerika gab, ist sie jetzt vorbei“, resümierte unlängst das amerikanische Council on Foreign Relations. 1 US-Militärstrategen freilich sind nicht ohne weiteres bereit, diesen Zustand hinzunehmen.

„Wenn es jemals eine US-Hegemonie in Lateinamerika gab, ist sie jetzt vorbei“, resümierte unlängst das amerikanische Council on Foreign Relations. 1

US-Militärstrategen freilich sind nicht ohne weiteres bereit, diesen Zustand hinzunehmen. In ihren Szenarios eines ständigen Kleinkriegs spielt Kolumbien, Hauptkampfzone gegen die „Nar-co-Guerilla“ und engster Verbündeter Washingtons in der Region, eine besondere Rolle. Mit der Reaktivierung der für die Region bestimmten „Vierten Flotte“ hat die Bush-Administration zudem signalisiert, dass die USA weiterhin ein gewichtiges Wort bei der Gestaltung des Subkontinents mitreden wollen.

Lateinamerikanische Diplomaten und Analytiker beobachten die militärstrategischen Debatten im „Imperium“ mit einer Mischung aus Entrüstung, Kopfschütteln und Amusement: Wenn Washington glaubt, „uns“ zu verlieren, müssen wir doch einiges getan haben, um diesen Vorgang in Gang zu setzen oder zu beschleunigen!

Zweifellos produziert der in Washington viel diskutierte Verlust an absoluter Suprematie bzw.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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