Ausgabe April 2009

Tatort Schule

Meißen, Erfurt, Emsdetten und nun Winnenden – über die ganze Republik verteilt, vom Osten in den Westen und nun in den Süden, ziehen sich die Tatorte der schlimmsten Schulamokläufe der jüngsten Vergangenheit. Was aber steckt dahinter, wenn heute ausgerechnet Jugendliche in dieser extremen Weise zu Mördern werden?

In den Medien wird Amoklauf regelmäßig als “unfassbar” beschrieben, sofern das Phänomen nicht ohnehin umgehend durch den Hinweis auf die psychische “Abartigkeit” der jugendlichen Täter “erklärt” wird. Es ist jedoch nicht sehr wahrscheinlich, dass man den wirklichen Gründen durch derart einfache Erklärungen näher kommt. Was so verbreitet und fast schon regelmäßig wie Schulamokläufe auftritt, muss als soziales, als gesellschaftliches Problem ernst genommen werden. Gerade das Phänomen Amoklauf ist nur “systemisch”, also unter Berücksichtigung eines ganzen Ursachenbündels und unter Einbeziehung von gegenseitigen Verstärkereffekten einer Gesamtkultur, verständlich zu machen.

Schulamokläufe sind ein historisch junges Phänomen. Das erste “School Shooting” geht auf das Jahr 1974 zurück. Am 30. Dezember jenes Jahres brachte der 18jährige Anthony Barbaro in Olean im US-Bundesstaat New York Schusswaffen und selbst gebastelte Bomben in seine Schule.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

In der Oktober-Ausgabe zeigt der Anthropologe Wade Davis, wie die Corona-Pandemie die gesellschaftlichen Widersprüche der USA offenlegt und ihren Niedergang als Weltmacht beschleunigt. Der Historiker Bernd Greiner porträtiert den einstigen US-Chefstrategen Henry Kissinger und dessen skrupellosen Willen zur Macht. Der Schriftsteller Zafer Şenocak fordert, dass die deutsche Außenpolitik endlich Verantwortung für die kolonialen Verbrechen übernimmt. Die Schriftstellerin Dina Nayeri beschreibt, wie ihre Fluchterfahrung ihre Identität bis heute zutiefst prägt. Und »Blätter«-Mitherausgeber Rudolf Hickel plädiert für soziale Gerechtigkeit bei der Begleichung der gewaltigen Corona-Schulden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema