Ausgabe Februar 2009

Die Vergesellschaftung des Kartells

Der Kampf um die Stromwirtschaft

Die Rezession, im Zusammenspiel mit der winterlichen Kälte, zeigt Wirkung: Auch die Diskussionen über den Strommarkt gewinnen an Schärfe. Angesichts deutlich gestiegener Strompreise und riesiger Profite, 1 die von den sogenannten Großen Vier (Eon, RWE, Vattenfall und EnWG) erzielt werden, wird die Bevölkerung zunehmend unzufrieden und verlangt von der Politik grundlegende Veränderungen. Kritisiert wird vor allem die kalkulatorische Verrechnung von CO2-Zertifikaten in den Strompreis, obwohl diese den Stromunternehmen zu 90 Prozent vom Staat kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Schätzungen zufolge konnten die Energieversorger auf diese Weise in den letzten Jahren bislang rund 20 Mrd. Euro Extraprofite einstreichen. Und die unglaubliche Regelung gilt in der EU noch bis 2012. Erst dann müssen die Stromunternehmen die Zertifikate ersteigern.

Tatsächlich legen die „Großen Vier“ eine derartige Machtarroganz an den Tag, dass sie es Ende 2004 nicht einmal für nötig hielten, der Einladung des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder zu einem Energiegipfel nachzukommen. Man wollte mit dem deutschen Bundeskanzler schlicht nicht über Strompreise und Profite oder die zukünftige Energiestruktur diskutieren und sich dabei politischen Vorwürfen aussetzen.

Auch auf die klimapolitischen Herausforderungen gehen die Stromgiganten faktisch kaum ein.

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.