Ausgabe Januar 2009

Der globale Süden im Sog der Krise

In der zweiten Novemberwoche machten die Weltbörsen kurzzeitig einen Freudensprung – ein seltenes Ereignis in Zeiten der Krise. Der Grund hierfür: Es war bekannt geworden, dass die chinesische Regierung ein großes Konjunkturprogramm plant. Über zwei Jahre sollen zusätzliche öffentliche Ausgaben in Höhe von 460 Mrd. Euro, 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) getätigt werden, vor allem in den Bereichen Wohnungsbau, Infrastruktur, Gesundheit, Bildung und Umweltschutz. Auch wenn sich die Stimmung an den Börsen rasch wieder eintrübte, so macht dieses Ereignis schlaglichtartig deutlich, dass die Uhren der Weltwirtschaft inzwischen anders gehen. Dies wurde durch die wenig später erfolgende Einbeziehung der G 20-Schwellenländer ins globale Krisenmanagement bestätigt.

Die klassischen Industrieländer (Japan, Nordamerika, Westeuropa) erzeugen bereits heute nur noch die Hälfte der globalen Güter und Leistungen, die andere Hälfte entsteht in aufstrebenden Transformations- und Entwicklungsländern. In den letzten 25 Jahren ist die Produktion dort doppelt so rasch gewachsen wie in den “alten” Industriestaaten. Kurz: Die globalen Kräfteverhältnisse verändern sich.

Die Finanzmarktkrise unterstreicht vor allem, dass die Entwicklungsländer nicht mehr einseitig am Tropf der Industrieländer hängen. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie resistent wären gegen deren Krisen.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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