Ausgabe Januar 2009

Rürup macht Kasse

Kurz nach seinem 65. Geburtstag im November 2008 hat „Renten-Pabst“ Bert Rürup, zu dieser Zeit noch amtierender Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und des Sozialbeirats für die Rentenversicherung, die Katze aus dem Sack gelassen: Er gibt seine vielfältigen Ämter als Regierungsberater und Universitätsprofessor ab und arbeitet ab April 2009 exklusiv für das Finanzdienstleistungsunternehmen AWD. Der Hannoveraner Strukturvertrieb, welcher mittlerweile fast zu 100 Prozent dem Versicherungskonzern „Swiss Life“ gehört, sich aber in Anzeigen und TV-Spots immer noch als ein „unabhängiger Finanzdienstleister“ präsentiert, erwirtschaftet nach eigenen Angaben mittlerweile rund 75 Prozent seiner Umsätze mit „Produkten“ zur Altersvorsorge. Laut Pressemitteilung wird Rürup bei AWD Chefökonom, genauer gesagt: „Sonderberater für private und betriebliche Altersvorsorge sowie für Marktvalidierung von Zukunftsmärkten“.1 Als neues AWD-Mitglied wurde Rürup übrigens von einem alten Bekannten vorgestellt, nämlich von Gerhard Schröders ehemaligem Regierungssprecher Béla Anda, der nach dem vorzeitigen Ende der rot-grünen Regierungszeit bei AWD als „Chief Communication Officer“ für die Ressorts Presse, Marketing und Sponsoring untergekommen ist.

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Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

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