Ausgabe Januar 2009

Rürup macht Kasse

Kurz nach seinem 65. Geburtstag im November 2008 hat „Renten-Pabst“ Bert Rürup, zu dieser Zeit noch amtierender Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und des Sozialbeirats für die Rentenversicherung, die Katze aus dem Sack gelassen: Er gibt seine vielfältigen Ämter als Regierungsberater und Universitätsprofessor ab und arbeitet ab April 2009 exklusiv für das Finanzdienstleistungsunternehmen AWD. Der Hannoveraner Strukturvertrieb, welcher mittlerweile fast zu 100 Prozent dem Versicherungskonzern „Swiss Life“ gehört, sich aber in Anzeigen und TV-Spots immer noch als ein „unabhängiger Finanzdienstleister“ präsentiert, erwirtschaftet nach eigenen Angaben mittlerweile rund 75 Prozent seiner Umsätze mit „Produkten“ zur Altersvorsorge. Laut Pressemitteilung wird Rürup bei AWD Chefökonom, genauer gesagt: „Sonderberater für private und betriebliche Altersvorsorge sowie für Marktvalidierung von Zukunftsmärkten“.1 Als neues AWD-Mitglied wurde Rürup übrigens von einem alten Bekannten vorgestellt, nämlich von Gerhard Schröders ehemaligem Regierungssprecher Béla Anda, der nach dem vorzeitigen Ende der rot-grünen Regierungszeit bei AWD als „Chief Communication Officer“ für die Ressorts Presse, Marketing und Sponsoring untergekommen ist.

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Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

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