Ausgabe Mai 2009

Nach der Krise ist vor der Krise

Für ein Wirtschaftsdemokratie ohne Finanzkapitalismus

Durch Deutschland muss ein Ruck gehen“, forderte 1997 der damalige Bundespräsident Roman Herzog. Gut zehn Jahre später geht dieser Ruck nicht nur durch Deutschland, sondern durch die Welt – jedoch in völlig anderer Art und Weise, als Roman Herzog ihn sich vorgestellt hat. Diejenigen, die 30 Jahre lang das Vertrauen in die Steuerungskraft der Märkte gepredigt und den schlanken Staat als den besten aller möglichen Staaten angehimmelt haben, glauben ruckartig nicht mehr an die Selbstheilungskräfte des Marktes und rufen nach dem Staat als ihrem einzigen Retter. Manche sprechen von einer säkular beispiellosen Finanz- und Wirtschaftskrise, die allerdings, so die regierungsamtlichen Verlautbarungen, mit dem G20-Gipfel von London jetzt auch die erforderliche, beispiellose, ja epochale Antwort gefunden habe.

Als negative Referenzdaten hinsichtlich der Dimension der gegenwärtigen Krise gelten die Aufkündigung des Währungssystems von Bretton-Woods im Jahr 1973 oder der Zusammenbruch der Börsen 1929 mit der darauf folgenden Wirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre. Als Referenzjahre ergriffener Chancen kommen hingegen zwei Daten der deutschen Geschichte in die engere Wahl – nämlich die Währungsreform von 1948 und der Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989.

All diese Daten stehen in einer mehr oder weniger engen Beziehung zur derzeitigen Situation.

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