Ausgabe November 2009

Kopenhagen: Der Gipfel des Scheiterns

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, erklärte jüngst die UN-Klimakonferenz im Dezember zur „vielleicht bedeutendste[n] Konferenz der Menschheitsgeschichte“. Ähnlich bezeichnete der Ökonom Nicholas Stern sie als „die wichtigste internationale Konferenz seit dem Zweiten Weltkrieg“. 1

Demgegenüber spricht der bisherige Verhandlungsstand eine ganz andere Sprache. Dutzende Bereiche eines Abkommens über die zweite Implementierungsphase des Kyoto-Protokolls sind grundsätzlich umstritten – so lässt die Verabschiedung eines Klimaschutzgesetzes durch den US-Senat weiterhin auf sich warten, und von einer Bereitschaft der Staaten des Nordens, den von der Klimakrise existenziell betroffenen Staaten des globalen Südens ausreichende Gelder für Anpassungsmaßnahmen zur Verfügung zu stellen, ist nichts zu sehen.

Der Klimagipfel in der dänischen Hauptstadt kann damit bereits jetzt als gescheitert gelten. Die internationale Klimadiplomatie von Regierungen, aber auch von zahlreichen Nichtregierungsorganisationen (NGOs), befindet sich damit in einer Sackgasse. Das wahrscheinlichste Szenario für die kommenden Jahre ist nun – analog zu der seit 2001 laufenden Doha-Runde der Welthandelsorganisation (WTO) – eine klimapolitische Kopenhagen-Runde.

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die Kunst der Bricolage

von Frank Adloff

Der Ausweg aus der dramatischen Doppelkrise aus fortschreitender Klimaerwärmung und schwindender Biodiversität muss ein schrittweises Handeln sein, das ökologische Modernisierung und radikalen Systemwandel gleichzeitig verfolgt.