Ausgabe Oktober 2009

Afghanistan: Die Logik des Krieges

Am Freitag, dem 4. September, brach der Krieg ein in den bundesdeutschen Wattewahlkampf. Die Bombardierung zweier von afghanischen Widerständlern erbeuteter Tanklastwagen, die zahlreiche – auch zivile – Opfer zur Folge hatte, sorgte für Entsetzen und entlarvte die Strategie der Bundesregierung, in jedem Fall das Wort „Krieg“ zu vermeiden, endgültig als Farce. Spätestens an jenem Tag wurde die verteidigungsministerielle Propaganda vom friedlichen Stabilisierungs- und Wiederaufbaueinsatz von der brutalen Wirklichkeit des Kampfeinsatzes in einem klassischen Guerillakrieg eingeholt.

Die nächtliche Attacke war von einem Oberst der Bundeswehr angeordnet worden. Die Exekution seines Befehls erfolgte auf dem Fuße durch Jagdbomberpiloten der US-Air-Force. Blitzschnell, präzise und mörderisch hat die High-Tech-Kriegsmaschinerie der NATO funktioniert. Kaum eine Stunde war vergangen, da hatte einer der fliegenden AWACS-Gefechtsstände, die das atlantische Bündnis unter dem Vorwand ziviler Luftraumsicherung erst in diesem Sommer auf den Kriegsschauplatz entsandt hatte, die beiden waffenstarrenden Kampfmaschinen vom Typ F-15E „Strike Eagle“ zu ihrem Ziel dirigiert. Was folgte, waren gigantische Explosionen und flammendes Inferno. Übrig blieben die qualmenden Stahlskelette der beiden Tanklastzüge und eines Traktors sowie Dutzende, wenn nicht über hundert verkohlte Menschenleiber.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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