Ausgabe Januar 2010

Von der G20 zur G2?

Die mittlerweile grassierenden Gedankenspiele über eine „G2“, ausgehend von der Hypothese, China und die Vereinigten Staaten stünden jetzt auf einer Stufe, seien Partner oder übten als Supermächte-Paar vereint die Weltherrschaft aus, habe ich nie verstanden. Wird denn irgendeine dieser Vorstellungen, die zuletzt die Berichterstattung über Barack Obamas Asientour prägten, der Realität wirklich gerecht?

Von Sowjetrussland und den Vereinigten Staaten konnte man mit einer gewissen Berechtigung als den beiden Supermächten sprechen, weil sie die ideologische Dynamik des Kalten Krieges schufen, in dessen Zentrum sie standen – als die beiden grundsätzlichen und unentbehrlichen Gegenspieler, wie es zumindest anfangs aussah, damals in den 1950er und 60er Jahren. Doch selbst zu jener Zeit enthielt eine derartige Weltsicht mehr Übertreibungskraft als Substanz, auch wenn die Protagonisten vielleicht anders darüber dachten, da schließlich beide sich in der Rolle gefielen, einer der „Zwei Großen“ dieser Welt zu sein.

Im Falle China/Amerika haben wir die bescheidene Abschlussbemerkung Wen Jiabaos, des Ministerpräsidenten, China sei und bleibe einstweilen ein Entwicklungsland und sei noch längst nicht darauf eingestellt, eine echte Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten einzugehen.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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Ich fühle mich sehr geehrt, die diesjährige „Arthur Miller Freedom to Write Lecture“ des PEN America halten zu dürfen. Hätten Arthur Miller und ich derselben Generation angehört und wäre ich US-Bürgerin gewesen, so wären wir uns wohl bei einer Vorladung vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe in die Arme gelaufen.