Ausgabe Januar 2010

Von der G20 zur G2?

Die mittlerweile grassierenden Gedankenspiele über eine „G2“, ausgehend von der Hypothese, China und die Vereinigten Staaten stünden jetzt auf einer Stufe, seien Partner oder übten als Supermächte-Paar vereint die Weltherrschaft aus, habe ich nie verstanden. Wird denn irgendeine dieser Vorstellungen, die zuletzt die Berichterstattung über Barack Obamas Asientour prägten, der Realität wirklich gerecht?

Von Sowjetrussland und den Vereinigten Staaten konnte man mit einer gewissen Berechtigung als den beiden Supermächten sprechen, weil sie die ideologische Dynamik des Kalten Krieges schufen, in dessen Zentrum sie standen – als die beiden grundsätzlichen und unentbehrlichen Gegenspieler, wie es zumindest anfangs aussah, damals in den 1950er und 60er Jahren. Doch selbst zu jener Zeit enthielt eine derartige Weltsicht mehr Übertreibungskraft als Substanz, auch wenn die Protagonisten vielleicht anders darüber dachten, da schließlich beide sich in der Rolle gefielen, einer der „Zwei Großen“ dieser Welt zu sein.

Im Falle China/Amerika haben wir die bescheidene Abschlussbemerkung Wen Jiabaos, des Ministerpräsidenten, China sei und bleibe einstweilen ein Entwicklungsland und sei noch längst nicht darauf eingestellt, eine echte Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten einzugehen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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