Ausgabe Januar 2010

Von der G20 zur G2?

Die mittlerweile grassierenden Gedankenspiele über eine „G2“, ausgehend von der Hypothese, China und die Vereinigten Staaten stünden jetzt auf einer Stufe, seien Partner oder übten als Supermächte-Paar vereint die Weltherrschaft aus, habe ich nie verstanden. Wird denn irgendeine dieser Vorstellungen, die zuletzt die Berichterstattung über Barack Obamas Asientour prägten, der Realität wirklich gerecht?

Von Sowjetrussland und den Vereinigten Staaten konnte man mit einer gewissen Berechtigung als den beiden Supermächten sprechen, weil sie die ideologische Dynamik des Kalten Krieges schufen, in dessen Zentrum sie standen – als die beiden grundsätzlichen und unentbehrlichen Gegenspieler, wie es zumindest anfangs aussah, damals in den 1950er und 60er Jahren. Doch selbst zu jener Zeit enthielt eine derartige Weltsicht mehr Übertreibungskraft als Substanz, auch wenn die Protagonisten vielleicht anders darüber dachten, da schließlich beide sich in der Rolle gefielen, einer der „Zwei Großen“ dieser Welt zu sein.

Im Falle China/Amerika haben wir die bescheidene Abschlussbemerkung Wen Jiabaos, des Ministerpräsidenten, China sei und bleibe einstweilen ein Entwicklungsland und sei noch längst nicht darauf eingestellt, eine echte Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten einzugehen.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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