Ausgabe Juli 2010

Die verlorene Gleichheit

Wie Ungleichheit Vertrauen zerstört und die Demokratie gefährdet

 „Von all dem Neuen, das während meines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten meine Aufmerksamkeit auf sich zog, hat mich nichts so lebhaft beeindruckt wie die Gleichheit der gesellschaftlichen Bedingungen. Alsbald wurde mir der erstaunliche Einfluss klar, den diese bedeutende Tatsache auf das Leben der Gesellschaft ausübt.“
Alexis de Tocqueville, Über die Demokratie in Amerika

Im August 2005 traf der Hurrikan Katrina auf die Golfküste im Süden der USA und verwüstete Städte in Mississippi und Louisiana. Die Deiche brachen, 80 Prozent des Stadtgebiets von New Orleans wurden überflutet. Einen Tag vor Eintreffen der Sturmfront war die Evakuierung der Stadt angeordnet worden, aber zu dieser Zeit funktionierte der öffentliche Verkehr schon nicht mehr, es gab kein Benzin, und Mietwagen waren nicht zu bekommen. Für die Menschen, die New Orleans nicht mehr verlassen konnten, richteten die kommunalen Behörden Notlager ein, beispielsweise im Superdome, der riesigen Sportarena, deren Dach der Sturm bereits schwer beschädigt hatte. Dort fanden 26 000 Menschen Zuflucht. Nach offiziellen Angaben forderte der Hurrikan 1836 Todesopfer; 700 Personen galten als vermisst.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.