Ausgabe Juli 2010

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft: Israel – der eingemauerte Staat

Im Jahre 2007 veröffentlichten die französischen Autoren Edouard Glissant und Patrick Chamoisau einen Essay unter dem Titel „Qand les murs tombent“ – Wenn die Mauern fallen.[1] Darin schreiben sie: „Die Versuchung, Mauern zu bauen, ist nicht neu. Wann immer es einer Kultur oder einer Zivilisation nicht gelingt, an die andere zu denken, auch an den anderen in sich selbst, wurden diese starren Sicherungen aus Steinen, Eisen, Stacheldraht und geschlossenen Ideologien errichtet. Diese Barrieren fielen in sich zusammen, und sie kamen zurück mit neuer Kraft. Diese furchtvolle Ablehnung des anderen, diese Versuche, die Existenz des anderen zu neutralisieren, ja zu negieren, mag sogar die Form eines Gesetzes annehmen […]. So kann es heimliche Mauern geben oder auch offizielle, diskrete oder bombastische.“

Der Titel des Essays ist freilich ein wenig optimistisch, denn auf der Welt fallen heute kaum Mauern. Vielmehr werden derzeit mehr Mauern errichtet als abgerissen.[2] Die neueste und in der jüngsten Geschichte wohl unmenschlichste Mauer wird seit 2002 von Israel gebaut. Sie trennt nicht nur Israelis von Palästinensern, sondern, wieder einmal, ein ganzes Volk, nämlich Palästinenser von Palästinensern. Gleichzeitig verstärkt Ägypten die schon seit Jahren bestehende Abriegelung der etwa 1,5 Millionen Menschen des Gazastreifens.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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