Ausgabe Juni 2010

Afrikas Achillesferse

Die in den Industrieländern ausgelöste Finanz- und Wirtschaftskrise trifft die armen Staaten besonders hart. In Afrika dürften die Auswirkungen am nachhaltigsten sein. Dies hängt mit der immer noch kolonial geprägten Rohstoffökonomie und der dadurch bedingten Verletzlichkeit gegenüber weltwirtschaftlichen Entwicklungen zusammen.

Zudem lebt die große Mehrheit der Afrikanerinnen und Afrikaner so nah am Existenzminimum, dass jede wirtschaftliche Verschlechterung unmittelbar ihr Überleben gefährdet.

Die Schätzung der Weltbank, die Krise würde 53 Millionen Afrikaner zusätzlich unter die Armutsschwelle drücken, ist sicher nicht überzogen. Und während das marode Finanzsystem der reichen Länder mit Billionen Dollar gestützt wird und die Banken weiter am Spekulationsrad drehen, wird Afrika der Geldhahn zugedreht: Von den beim G 8-Gipfel von Gleneagles 2005 gemachten Zusagen (21,5 Mrd. US-Dollar bis 2010) waren bis Mitte 2009 gerade mal sieben Mrd. geflossen. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel erklärt unterdessen frohgemut, Finanzierungszusagen sehe er „sportlich“.

Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, prognostizierte Anfang 2009: „Auch wenn es dauerte, bis die Krise Afrika erreichte: Sie kommt, und ihre Folgen werden schwer sein.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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