Ausgabe Juni 2010

Großbritannien nach dem Patt

Großbritannien hatte gewählt – und doch blieb alles unklar wie zuvor. Am Ende trat tatsächlich ein, was die Umfragen vorhergesagt hatten: Bei den Unterhauswahlen am 6. Mai d.J. errang keine Partei die absolute Mehrheit.

Die favorisierte Conservative Party konnte bei einer Wahlbeteiligung von 65 Prozent 36,1 Prozent der Stimmen, sprich: einen Zugewinn von nur 3,6 Prozent, für sich verbuchen. Immerhin ergab dies 306 Sitze; für die absolute Mehrheit hätte sie jedoch 326 erringen müssen.

Die Labour Party verlor dagegen 6 Prozent der Stimmen und errang nur noch 29 Prozent (was allerdings noch mehr Prozente waren, als ihr die letzten Umfragen prognostiziert hatten). Das bedeutete jedoch einen gewaltigen Verlust von 91 Sitzen auf nur noch 259.

Und entgegen allen Erwartungen verloren die am Ende hoch gehandelten Liberal Democrats (LibDem) sogar 5 ihrer bisherigen 62 Sitze, obwohl sie insgesamt ihren Stimmenanteil um einen Punkt auf 23 Prozent hatten verbessern können.[1]

Dabei hatten alle Beobachter angenommen, die LibDems würden den beiden großen Parteien sehr nahe kommen. Schließlich hatte deren Vorsitzender Nick Clegg in den TV-Duellen vor der Wahl durch sein unbekümmertes Auftreten erheblich an Boden gut gemacht.

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Schutzzölle und Ratlosigkeit: Europa und der China-Schock

von Merle Groneweg

Schon im Mai 2024 schrieb Paul Krugman, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, in seiner Kolumne für die »New York Times«, inzwischen sei klar, »dass sich ein zweiter China-Schock aufbaut«. Der sogenannte erste China-Schock bezieht sich auf die 1990er und 2000er Jahre, als Importe aus China schätzungsweise 1,5 Millionen Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe der USA verdrängten.