Ausgabe Juni 2010

Von der Griechenlandkrise zum Euro-Kollaps?

Nach langem Gezerre hat der Bundestag am 7. Mai 2009 die in der Öffentlichkeit heftig diskutierten Notkredite für Griechenland beschlossen. Mit Garantie des Bundes soll die KfW-Bank den Griechen 22,4 Mrd. Euro leihen – im Rahmen einer ersten Tranche des Hilfspaketes der Euro-Partnerstaaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF), das Athen über die kommenden drei Jahre insgesamt bis zu 110 Mrd. Euro zur Verfügung stellen könnte. Nur zwei Tage später beschlossen die EU-Finanzminister einen neuen Notfonds mit einem Volumen von insgesamt fast 700 Mrd. Euro, um auch anderen Euro-Staaten unter Druck zur Hilfe kommen zu können. Dabei handelt es sich um das größte Maßnahmenpaket, das in der Geschichte der Europäischen Gemeinschaft je verabschiedet wurde.

Ökonomen rechtfertigen diese Kredite längst nicht mehr nur mit der Gefahr, die von einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands ausginge. Wenn jetzt nichts getan wird, könnten bald auch andere Länder der Eurozone mit großen Staatsdefiziten ähnliche Probleme wie Griechenland bekommen. Und tatsächlich gehen die gegenwärtigen Angriffe aggressiver Finanzmarktakteure weit über einzelne Länder hinaus und richten sich dezidiert gegen die europäische Währung als solche.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.

»10-Millionen-Schweiz«: Mauern gegen die Polykrise

von Cédric Wermuth

Am 14. Juni stimmt die Schweiz per Referendum über eine Initiative ab, die europaweit Schule machen könnte. Unter dem Titel »Keine 10-Millionen-Schweiz« verlangt die rechtsnationalistische Schweizerische Volkspartei die Einführung eines Bevölkerungsdeckels in der Verfassung.