Ausgabe Juni 2010

Von der Griechenlandkrise zum Euro-Kollaps?

Nach langem Gezerre hat der Bundestag am 7. Mai 2009 die in der Öffentlichkeit heftig diskutierten Notkredite für Griechenland beschlossen. Mit Garantie des Bundes soll die KfW-Bank den Griechen 22,4 Mrd. Euro leihen – im Rahmen einer ersten Tranche des Hilfspaketes der Euro-Partnerstaaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF), das Athen über die kommenden drei Jahre insgesamt bis zu 110 Mrd. Euro zur Verfügung stellen könnte. Nur zwei Tage später beschlossen die EU-Finanzminister einen neuen Notfonds mit einem Volumen von insgesamt fast 700 Mrd. Euro, um auch anderen Euro-Staaten unter Druck zur Hilfe kommen zu können. Dabei handelt es sich um das größte Maßnahmenpaket, das in der Geschichte der Europäischen Gemeinschaft je verabschiedet wurde.

Ökonomen rechtfertigen diese Kredite längst nicht mehr nur mit der Gefahr, die von einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands ausginge. Wenn jetzt nichts getan wird, könnten bald auch andere Länder der Eurozone mit großen Staatsdefiziten ähnliche Probleme wie Griechenland bekommen. Und tatsächlich gehen die gegenwärtigen Angriffe aggressiver Finanzmarktakteure weit über einzelne Länder hinaus und richten sich dezidiert gegen die europäische Währung als solche.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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