Ausgabe März 2010

Integration als Konzept: Die Grenzen der Toleranz

Mit der Schweizer Minarettentscheidung und dem versuchten Anschlag auf den dänischen Zeichner der Mohammed-Karikaturen erreichte die Integrationsdebatte zu Beginn dieses Jahres eine neue Schärfe. Speziell in den Spalten der Feuilletons drehte sich der Streit im Kern um die Frage, ob der Islam – und damit auch die rund vier Millionen in der Bundesrepublik lebenden Muslime – in die deutsche Gesellschaft integrierbar sind.
Während der frühere Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble bereits während der letzten Islamkonferenz (deren Fortsetzung im schwarz-gelben Koalitionsvertrag vereinbart wurde) davor warnte, Ängste zu schüren, und darauf verwies, dass die überwiegende Zahl der Einwanderer in Deutschland gut integriert sei („Der Islam ist längst ein Teil unseres Landes“), wird dem Islam von seinen fundamentalsten Kritikern die Integrierbarkeit grundsätzlich abgesprochen. So halten etwa die Publizisten Henryk M. Broder und Ralph Giordano die Muslime in Deutschland für „kollektiv nicht integrierbar“ (Giordano).
Berufen können sie sich dabei auf den renommierten konservativen Staatsrechtler Josef Isensee,
der von einer grundlegenden „Integrationsresistenz des Islam“ ausgeht. In dem folgenden Vortrag, gehalten bei den diesjährigen 53.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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