Ausgabe März 2010

Integration als Konzept: Die Grenzen der Toleranz

Mit der Schweizer Minarettentscheidung und dem versuchten Anschlag auf den dänischen Zeichner der Mohammed-Karikaturen erreichte die Integrationsdebatte zu Beginn dieses Jahres eine neue Schärfe. Speziell in den Spalten der Feuilletons drehte sich der Streit im Kern um die Frage, ob der Islam – und damit auch die rund vier Millionen in der Bundesrepublik lebenden Muslime – in die deutsche Gesellschaft integrierbar sind.
Während der frühere Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble bereits während der letzten Islamkonferenz (deren Fortsetzung im schwarz-gelben Koalitionsvertrag vereinbart wurde) davor warnte, Ängste zu schüren, und darauf verwies, dass die überwiegende Zahl der Einwanderer in Deutschland gut integriert sei („Der Islam ist längst ein Teil unseres Landes“), wird dem Islam von seinen fundamentalsten Kritikern die Integrierbarkeit grundsätzlich abgesprochen. So halten etwa die Publizisten Henryk M. Broder und Ralph Giordano die Muslime in Deutschland für „kollektiv nicht integrierbar“ (Giordano).
Berufen können sie sich dabei auf den renommierten konservativen Staatsrechtler Josef Isensee,
der von einer grundlegenden „Integrationsresistenz des Islam“ ausgeht. In dem folgenden Vortrag, gehalten bei den diesjährigen 53.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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