Ausgabe Mai 2010

Island: Wunderland ist abgebrannt

Die Griechenlandkrise hat für eine Weile verdrängt, dass zuvor bereits andere Länder zu Opfern der globalen Finanzkrise wurden. Dies gilt vor allem für Island. Seit Ausbruch der Krise befindet sich die Wirtschaft der Vulkaninsel am Rand des Polarkreises im freien Fall – und ist damit, unter geradezu labortechnischen Bedingungen, ein Beispiel für die Auswirkungen der großen Zockerei im globalen Finanzkasino.

Ähnlich wie Irland oder die baltischen Staaten erlebte Island in den letzten Jahrzehnten einen sprunghaften wirtschaftlichen Aufschwung, der maßgeblich auf Spekulationsgeschäften beruhte. Jahrzehntelang machten die drei isländischen Großbanken Landsbanki (mit dem mittlerweile berühmten Tochterunternehmen Icesave), Glitnir und Kaupthing gute Geschäfte mit ausländischen Anlegern, deren Kapital sie hoch verzinsten. Für diese Einlagen und die weiteren internationalen Investitionen der isländischen Banken lag aber keine ausreichende Absicherung vor. Der Bankensektor des kleinen Inselstaats agierte vielmehr wie ein Global Player, für den es ökonomisch keine Grenzen gibt. Mit über 400 000 Einlegern hatte etwa allein Icesave mehr internationale Kunden als Island Einwohner (310 000).

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Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

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