Ausgabe November 2010

Tadschikistan vor dem Bürgerkrieg

Am 19. September griffen in der Provinz Rascht, 200 Kilometer von der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe entfernt, radikale Aufständische einen Militärkonvoi der Regierung an. Dabei kamen 28 Soldaten ums Leben, 25 wurden verletzt und etwa 50 weitere als vermisst gemeldet. Regierungsangaben zufolge waren zuvor 25 Aufständische, darunter auch Kämpfer aus Afghanistan und sechs Tschetschenen, aus einem Sicherheitslager in Tadschikistan geflohen. Einer der Geflohenen war Ibrahim Nasreddinow, ein ehemaliger Häftling aus Guantánamo, der 2007 von den US-Behörden an Tadschikistan ausgeliefert und dort umgehend zu 23 Jahren Haft verurteilt worden war. Dieser konnte jedoch wenige Tage nach dem Ausbruch in einem Vorort von Duschanbe festgenommen werden.

Laut BBC-Angaben befand sich der angegriffene Militärkonvoi gerade auf der Suche nach den geflohenen Häftlingen und geriet dabei in einen Hinterhalt. Drahtzieher des Angriffs, so die tadschikische Regierung, waren die Fundamentalistenführer Abdullah Rachimow („Mullah Abdullah“), Alioldin Dolatow („Ali Bidek“) und Mirsa Khadsche Achmadow – allesamt Mitglieder des „Islamischen Bewegung Tadschikistans“, welche bereits im Verlauf des tadschikischen Bürgerkrieges von 1992 bis 1997 gegen die Zentralregierung gekämpft hatten.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Indien: Der große Exodus

von Ellen Ehmke

Es ist der größte Lockdown der Menschheitsgeschichte: Am 24. März verordnete Premierminister Narendra Modi dem indischen Subkontinent eine mehrwöchige Ausgangssperre, die mindestens bis Anfang Mai anhalten soll. Das Ziel: Die Ausbreitung des Coronavirus unter den knapp 1,4 Milliarden Inder*innen aufzuhalten.