Ausgabe September 2010

Konfuzius im Dienste der KP

China hat ein Imageproblem, zumindest im Westen. Der Konflikt mit Google ist noch in guter Erinnerung, ebenso Pekings Auftreten auf der Klimakonferenz Ende 2009 in Kopenhagen. International tritt die Volksrepublik zunehmend selbstbewusst auf und dabei manch einem auch manchmal auf die Füße. Allerdings sind diese kalkulierten Rempeleien, die immer auch als Signal an das eigene Volk zu lesen sind, nur ein Teil der außenpolitischen Strategie. Neben dieser Demonstration der Stärke betreibt Peking eine globale Imagekampagne, um vor allem dem Westen die „China-Angst“ zu nehmen.

Zu diesem Zweck werden auf der ganzen Welt Kulturinstitute gegründet, die die chinesische Sprache und Kultur vermitteln sollen. Die „Konfuzius-Institute“ sind das mit Abstand auffälligste Instrument der gewaltigen „Charmeoffensive“. Anders als beispielsweise die deutschen Goethe-Institute oder der British Council sind sie als Joint Ventures, also auf Basis einer Kooperation chinesischer und internationaler Partner, organisiert. 

2004 wurde das erste Institut in Seoul gegründet, inzwischen gibt es weltweit mehr als 650 dieser Einrichtungen.[1] In der Bundesrepublik existieren allein elf Konfuzius-Institute sowie eine „Konfuzius-Klasse“, von denen die meisten aus Kooperationsprojekten zwischen deutschen und chinesischen Universitäten bzw.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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Ich fühle mich sehr geehrt, die diesjährige „Arthur Miller Freedom to Write Lecture“ des PEN America halten zu dürfen. Hätten Arthur Miller und ich derselben Generation angehört und wäre ich US-Bürgerin gewesen, so wären wir uns wohl bei einer Vorladung vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe in die Arme gelaufen.