Ausgabe Februar 2011

Die Schleifung des Rechts

Zehn Jahre Antiterrorkrieg

So wie das vergangene Jahr endete, nämlich mit Terrorwarnungen der Bundesregierung, so begann das neue: mit dem terroristischen Anschlag auf eine koptische Kirche in Kairo während der Neujahrsmesse. Beide Ereignisse verweisen auf das eigentliche Zentralereignis der vergangenen Dekade, den 11. September 2001, dessen zehnjährige Wiederkehr bereits jetzt ihren Schatten vorauswirft. Die Terroranschläge von New York und Washington haben nicht nur eine neue Phase des internationalen Terrorismus manifestiert. Sie haben auch unser rechtliches Kategoriensystem erschüttert. Zentral geht es dabei um die Frage, ob das bisherige Recht noch mit den Mitteln der bewährten Rechtsgrundsätze und Rechtsbegrenzungen auf die gegenwärtigen Tendenzen zur Entgrenzung der Gefahr, der Entstaatlichung des Krieges und der Auflösung der hergebrachten Unterschiede zwischen innerer und äußerer Sicherheit reagieren kann oder ob es im Prozess der unterschiedlichsten Präventionsstrategien selbst zunehmend entgrenzt wird.

Interessanterweise haben dies Nichtjuristen früher erkannt als professionelle Rechtswissenschaftler. Für Ulrich Beck ging mit dem Angriff auf die Twin Towers ein Zerfall unserer herkömmlichen politischen und juristischen Grammatik einher.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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