Ausgabe Februar 2011

Kooperieren oder scheitern

Die Existenzkrise der Europäischen Union

Wenn eine Weltordnung zusammenbricht, beginnt das Nachdenken darüber. Doch offenbar gilt das nicht für den heute vorherrschenden Typus der Gesellschaftstheorie, der in universalistischer Erhabenheit und schlafwandlerischer Sicherheit über den Niederungen des epochalen Wandels – Klimawandel, Finanzkrise, Krise der Demokratie und der nationalstaatlichen Institutionen – hinwegschwebt. Diese Art universalistischer Gesellschaftstheorie, sei es nun eine strukturalistische, interaktionistische, marxistische, Kritische oder Systemtheorie, ist heute antiquiert und provinziell. Antiquiert ist sie, weil sie ausschließt, was zu beobachten ist: ein Paradigmenwechsel von Gesellschaft und Politik in der Moderne. Provinziell ist sie, weil sie den pfadabhängigen Erfahrungs- und Erwartungsraum der westeuropäischen oder auch der US-amerikanischen Modernisierung fälschlich verabsolutiert und damit gerade den soziologischen Blick auf deren Besonderheit verstellt.

Man würde zu kurz greifen, wenn man meinte, dass wir, die europäische Soziologie, die Modernisierungspfade der Anderen nur ergänzend verstehen müssen, weil sonst unser Weltbild unvollständig ist. Vielmehr gilt: Wir Europäer können uns nur dann selbst verstehen, wenn wir uns „deprovinzialisieren“, das heißt, soziologisch-methodologisch mit den Augen der Anderen sehen lernen.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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