Ausgabe Februar 2011

Schweigen und siegen

Nein, die angekündigte „Rede seines Lebens“ hat Guido Westerwelle auf dem traditionellen Dreikönigstreffen der FDP nun wahrlich nicht gehalten. Das gelang weit eher seinem Generalsekretär Christian Lindner, der mit wenigen programmatischen Sätzen zum Nachfolger im Wartestand avancierte.

Für Westerwelles Leerformeln galt dagegen die alte Lateinerformel „Si tacuisses, philosophus mansisses“ – „Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben.“ Fest steht schon heute: Wenn dereinst – und faktisch ist es nur noch eine Frage der Zeit – die „Freiheitsstatue der Republik“ (Westerwelle über Westerwelle) vom Zwergenaufstand der eigenen Partei gestürzt worden sein wird, wird uns sein groteskes: „Ihr – kauft – mir – den – Schneid – nicht – ab !“noch in den Ohren nachhallen.

Was man dagegen durch konzentriertes Schweigen alles erreichen kann, demonstrieren derweil Andere. Man denke nur an Olaf Scholz. Jahrelang nur bekannt und gefürchtet unter dem Namen „Scholzomat“, den er sich als SPD-Generalsekretär redlich verdiente. Denn in diesem Amte musste der Mann das tun, was er am wenigsten kann, nämlich reden. Kurzum: Es war ein Desaster und Scholz seinen Job nach kurzer Zeit wieder los.

Sie haben etwa 36% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 64% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Parteien

Die Zukunft des Regierens: Projekte statt Koalitionen?

von Albrecht von Lucke

Eigentlich hätte es ein perfekter Start ins neue Jahr für die Grünen sein können: Mit präsidialer Begleitung und stolz geschwellter Brust feierte die Partei ihren 40. Geburtstag und wurde im Hochgefühl ihrer starken Umfrageergebnisse prompt zur neuen Kanzlerschaftsfavoritin geadelt: „Wer besiegt Robert Habeck?“, fragt scheinbar voller Sorgen „Die Welt“.