Ausgabe März 2011

Säbelrasseln in Fernost

Der Besuch von Präsident Hu Jintao in den Vereinigten Staaten war für China ein Ereignis von besonderer Bedeutung – weniger aufgrund realer Ergebnisse als wegen der Anerkennung, die Hu zuteil wurde. Symbole wie die 21 Schuss Salut und das große Staatsdiner zählen viel für ein Land wie China, das mental noch immer unter der 150jährigen Misshandlung und Demütigung durch die Kolonialmächte des Westens und des Ostens, das heißt Japans, leidet.

In Washington erhielt Hu nun die Anerkennung, die er als Staatschef der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt für sich und sein Land beansprucht. Vielleicht war es ihm deshalb möglich, im Abschlusskommuniqué – anders als bei Obamas Chinabesuch 2009 – auf die amerikanische Anerkennung des chinesischen „Kerninteresses“ in Bezug auf Taiwan und Tibet zu verzichten.[1] Für die chinesische Führung war die Gipfelharmonie – und die sie begleitende Anerkennung als gleichgestellte Macht durch die USA – jedenfalls von größter Bedeutung.

An der chinesischen Rüstungsoffensive wird der harmonisch verlaufene Staatsbesuch indessen nichts ändern.[2] Sie zielt darauf ab, der US-Kriegsflotte und vor allem deren Flugzeugträgern die Anwesenheit in Ostasien durch die Bedrohung mit neuen chinesischen Waffen zu erschweren.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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