Ausgabe November 2011

Die Apathie der TINA-Kinder

Warum meine Generation endlich erwachsen werden muss

Wohin man auch schaut, ob in die Vereinigten Staaten, nach Israel oder auch nur in unsere EU-Nachbarländer, überall herrscht das gleiche Bild: Seit Beginn der Finanzkrise sind es gerade die Jungen – Studenten, junge Arbeiter, Angestellte oder Arbeitslose –, die gegen die neoliberale Politik der politischen und wirtschaftlichen Eliten auf die Straße gehen. Anders in Deutschland: Hier ist der Protest, im Gegensatz zu Frankreich, England, Spanien oder Griechenland, vor allem die Sache der Älteren – und nicht der meiner Generation. Selbst am 15. Oktober, dem weltweiten Aktionstag der Occupy-Wall-Street-Bewegung, ist der Funke nicht auf uns übergesprungen.

Wut ist nicht unser Ding. Meine Generation ist in ihrer Grundhaltung gegenüber den großen Themen des Lebens hilflos, überfordert, in Anspruchsdenken gefangen. Und resigniert in einem Maße, das sich durch keine Erfahrung rechtfertigt, die ein durchschnittliches Bürgerkind in Deutschland in den letzten 30 Jahren machen konnte. Doch wer heute Mitte 20 bis Mitte 30 ist, sollte nicht hoffen, dass noch irgendetwas passieren wird, das ihm endlich das Gefühl gibt, ein mündiges Mitglied der Gesellschaft zu sein. Wer in diesem Alter noch darauf wartet, dass sich ein bestimmter „erwachsener“ Gefühlszustand einstellt, am besten mit bestimmten „erwachsenen“ materiellen Umständen einhergehend, der kann lange warten.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

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