Ausgabe April 2012

Strahlende Zukunft

Japan und seine Atomindustrie

Der Dreifach-GAU von Fukushima war die Folge eines systemischen Versagens von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft: Erst wurden untolerierbare Gefahren für Gesellschaft und Individuum geschaffen, dann ignorierte man die Folgen der Atomkraft, manipulierte ihre Bewertung und unterdrückte systematisch Kritik. Der GAU in Japan ist damit exemplarisch für das Zusammenspiel staatlicher und ökonomischer Machtträger in der Energiefrage. Die atomare Stromerzeugung ist auch – und in besonderem Maße – in Japan durch die Verbindung von macht- und industriepolitischen Interessen konservativer Teile der politischen Klasse mit den Interessen einer regionalmonopolistisch organisierten Stromwirtschaft entstanden.[1]

Diese Verbindung und mithin die Bedeutsamkeit der Kernenergie entwickelten sich in Abhängigkeit voneinander: Atomare Stromerzeugung war die materielle Voraussetzung dafür, dass sowohl die Unternehmen als auch der private Konsum im Japan der 1980er Jahre expandieren konnten. Die Kernkraft wurde zum energetischen Anker jener Wachstums- und Konsumideologie, die die japanische Gesellschaft zutiefst verinnerlicht hat.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Indien: Der große Exodus

von Ellen Ehmke

Es ist der größte Lockdown der Menschheitsgeschichte: Am 24. März verordnete Premierminister Narendra Modi dem indischen Subkontinent eine mehrwöchige Ausgangssperre, die mindestens bis Anfang Mai anhalten soll. Das Ziel: Die Ausbreitung des Coronavirus unter den knapp 1,4 Milliarden Inder*innen aufzuhalten.