Ausgabe April 2012

Strahlende Zukunft

Japan und seine Atomindustrie

Der Dreifach-GAU von Fukushima war die Folge eines systemischen Versagens von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft: Erst wurden untolerierbare Gefahren für Gesellschaft und Individuum geschaffen, dann ignorierte man die Folgen der Atomkraft, manipulierte ihre Bewertung und unterdrückte systematisch Kritik. Der GAU in Japan ist damit exemplarisch für das Zusammenspiel staatlicher und ökonomischer Machtträger in der Energiefrage. Die atomare Stromerzeugung ist auch – und in besonderem Maße – in Japan durch die Verbindung von macht- und industriepolitischen Interessen konservativer Teile der politischen Klasse mit den Interessen einer regionalmonopolistisch organisierten Stromwirtschaft entstanden.[1]

Diese Verbindung und mithin die Bedeutsamkeit der Kernenergie entwickelten sich in Abhängigkeit voneinander: Atomare Stromerzeugung war die materielle Voraussetzung dafür, dass sowohl die Unternehmen als auch der private Konsum im Japan der 1980er Jahre expandieren konnten. Die Kernkraft wurde zum energetischen Anker jener Wachstums- und Konsumideologie, die die japanische Gesellschaft zutiefst verinnerlicht hat.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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