Ausgabe April 2012

Südkorea: Liberal oder Konservativ?

Das Jahr 2012 ist in Südkorea ein Superwahljahr. Zunächst finden im April Parlamentswahlen statt, am 19. Dezember folgt dann die im Präsidialsystem des Landes deutlich wichtigere Neuwahl des Präsidenten. Die Überschneidung beider Wahltermine in diesem Jahr ist allerdings etwas Besonderes, denn Parlamentswahlen finden in Südkorea alle vier Jahre, die Präsidentschaftswahlen alle fünf Jahre statt. Zwar ist noch nicht endgültig entschieden, wer im Dezember gegeneinander antreten wird, doch klar ist schon jetzt: Bei den bevorstehenden Wahlen geht es um eine Richtungsentscheidung zwischen dem konservativen und dem liberal-progressiven Lager.

In den letzten fünf Jahren hat der konservative Präsident Lee Myung-bak die Agenda des Landes bestimmt. Die Bilanz seiner Amtszeit fällt indes gemischt aus. Denn das für die Wahl Lees im Jahr 2007 ausschlaggebende Versprechen, an das schnelle Wirtschaftswachstum vergangener Zeiten anzuschließen und das Bruttosozialprodukt Südkoreas bis 2012 auf 40 000 US-Dollar pro Einwohner zu erhöhen, hat sich als Seifenblase entpuppt: Zwar hat sich das OECD-Land Südkorea unter Lee weiter von der früher vorherrschenden Produktion industrieller Massengüter für den Export zu einer „reifen“ Volkswirtschaft mit Ausrichtung auf neue Geschäftsfelder wie Medizintourismus, Mobilkommunikation und Design entwickelt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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