Ausgabe Februar 2012

Nordkorea: Der kleine Führer auf der Titanic

Auf dem Höhepunkt des „Kriegs gegen den Terror“ und des verbalen Kampfes gegen die „Achse des Bösen“ wollten George W. Bush und seine neokonservative Kamarilla den Sturz des nordkoreanischen Führers Kim Jong-il lieber früher als später. Das aber sollte sich schnell ändern. Bereits nach Kims Schlaganfall 2008 war die Sorge vor einer unkontrollierbaren Situation in Nordkorea im Falle seines Ablebens größer als die Hoffnung, ihn endlich loszuwerden. Kim Jong-il schien der Garant vor einer chaotischen Situation zu sein, in deren Verlauf sich US- und chinesische Truppen wie im Koreakrieg hätten gegenüberstehen können – diesmal allerdings, um die nordkoreanischen Atomwaffen zu sichern. Als Sohn des charismatischen Staatsgründers Kim Il-sung besaß Kim Jong-il die Autorität, die verschiedenen Machtgruppen Nordkoreas zusammenzuhalten. Angesichts seiner schwindenden Gesundheit versuchte er in den letzten drei Jahren, seinem Sohn Kim Jong-un zu einer eigenen Machtbasis zu verhelfen und ihn als einen starken Nachfolger aufzubauen.

Davon kann heute jedoch, nach dem Tode Kim Jong-ils, nicht die Rede sein: Kim Jong-il war beim Tode seines Vaters reife 52 Jahre alt, sein Sohn aber ist erst 28. Wie den Vater und den Großvater suchen seine Berater ihn mit einer quasi-religiösen Legitimation auszustatten.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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Ich fühle mich sehr geehrt, die diesjährige „Arthur Miller Freedom to Write Lecture“ des PEN America halten zu dürfen. Hätten Arthur Miller und ich derselben Generation angehört und wäre ich US-Bürgerin gewesen, so wären wir uns wohl bei einer Vorladung vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe in die Arme gelaufen.