Ausgabe November 2012

Ein Lob des Lobbyismus

Die Debatte um die Nebeneinkünfte Peer Steinbrücks hat eine neue heftige Diskussion um den Stellenwert des Lobbyismus in Deutschland ausgelöst. Ohne dessen Schwächen und Probleme zu leugnen, verteidigt ihn im Folgenden der Volkswirt Andreas Polk. 

Unternehmen beschäftigen „Government Affairs Manager“, haben Abteilungen für „politische Kommunikation“ und engagieren Dienstleister zur „Strategieberatung für Public Affairs“. In den Vereinigten Staaten heißt der Verband der Lobbyisten schlicht „American League of Lobbyists“. In Deutschland nennt man sich dagegen, auch um sich vom verfänglichen Begriff abzugrenzen, „Deutsche Gesellschaft für Politikberatung“. Ist Lobbyismus also etwas rundweg Negatives?

Keineswegs, Lobbyismus ist aus gutem Grund Teil unseres politischen Systems. Abgeordnete sind qua Amt Vertreter der Bürgerinnen und Bürger und ihrer Interessen – auch der wirtschaftlichen Interessen. Folglich gehört die Einflussnahme auf sie zum Wesen unserer Demokratie.

»Eine Politik ohne Lobbyismus wäre eine Politik abseits der Bedürfnisse der Bürger«

Stellen wir uns nur einmal vor, dass es keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit Abgeordneten oder der Exekutive gäbe. Die Folge wäre eine Politik abseits der Bedürfnisse der Bürger. Das aber wäre verheerend.

November 2012

Sie haben etwa 14% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 86% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema