Ausgabe November 2012

Konfrontation als Schicksal?

China, USA und die neue pazifische Konstellation

Die globale Konstellation nimmt derzeit immer schneller neue Formen an – nicht zuletzt aufgrund der zunehmend herausfordernden Haltung neuer Welt- und Regionalmächte wie China und Iran, aber auch aufgrund neuer geostrategischer Zusammenschlüsse in Lateinamerika und Afrika sowie der sogenannten BASIC-Länder – neben China sind das Brasilien, Indien und Südafrika.

Nach den Jahrzehnten der Vorherrschaft des „Westens“, insbesondere der seit dem Fall der Berliner Mauer „einzigen Supermacht“ USA, entsteht heute eine multipolare Welt, in der es nicht mehr nur ein, sondern mehrere Machtzentren gibt. Diese sind derzeit dabei, sich neu zueinander in Beziehung zu setzen, die Ausgestaltung dieser Beziehung ist jedoch noch völlig offen. Damit wird nicht nur die im Zuge des Kalten Krieges entstandene Einteilung der Welt in eine „erste, zweite und dritte Welt“ endgültig aufgehoben; die wechselseitige Neupositionierung aufsteigender und absteigender Mächte ist auch mit Wertungen gesellschaftspolitischer und zivilisatorischer Modelle verbunden. Dazu gehört auch die Neubewertung von Freiheit und Unfreiheit sowie der Bedeutung von Individualität. Insofern ist es ein bemerkenswerter Zufall, dass in diesen Novembertagen die beiden wichtigsten Führungsmächte des angehenden 21. Jahrhunderts, die USA und China, fast gleichzeitig ihr politisches Führungspersonal neu bestimmen.

November 2012

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Indische Soldaten

Bild: imago images / Hindustan Times

Das Ende des indischen Traums

von Arundhati Roy

Indien lebte stets von seiner Vielfalt und seinen Gegensätzen. Doch seit der Wahl von Narendra Modi zum Premierminister droht sich das zu ändern: Denn Modi kämpft für eine Vorherrschaft der Hindus – und zwar mit allen Mitteln.

Bild: imago images / Hindustan Times

Modis Indien oder: Die Schriftstellerin als Staatsfeindin

von Arundhati Roy

Ich fühle mich sehr geehrt, die diesjährige „Arthur Miller Freedom to Write Lecture“ des PEN America halten zu dürfen. Hätten Arthur Miller und ich derselben Generation angehört und wäre ich US-Bürgerin gewesen, so wären wir uns wohl bei einer Vorladung vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe in die Arme gelaufen.