Ausgabe September 2012

Serbien: Nationalistisches Comeback

Zum ersten Mal, seitdem der Eurobarometer die Gefühlslage in der Gemeinschaft misst, spricht sich eine klare Mehrheit der Befragten gegen die Aufnahme weiterer Staaten in die Europäische Union aus. In diesem Frühjahr lehnten 53 Prozent eine Erweiterung der EU ab. Am negativsten war die Einstellung in Deutschland: Nur 20 Prozent würden die Aufnahme neuer Staaten in die EU begrüßen. In Zeiten, in denen einigen Mitgliedsländern der Staatsbankrott droht und das Ansehen der Europäischen Union in der Bevölkerung sinkt, ist die Angst in der EU groß, sich weitere „Problemfälle“ aufzubürden. Dabei hätten gerade die Westbalkanländer und insbesondere Serbien, der größte und politisch wichtigste Staat unter ihnen, ausländische Hilfe dringend nötig, denn die Wirtschaftskrise hat die Region fest im Griff. Serbien hat im letzten Vierteljahrhundert nur kurze Abschnitte ohne ökonomische Krise, politische Konfrontationen oder gar gewaltsame Konflikte erlebt. Für den überwiegenden Teil der 7,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger des Landes geht es seit Langem nur noch ums nackte Überleben: Vier Fünftel empfinden laut jüngeren Meinungsumfragen Unzufriedenheit, Wut, Machtlosigkeit, Angst und Resignation.

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Aktuelle Ausgabe März 2020

In der März-Ausgabe analysieren der Ökonom James K. Galbraith, der »Blätter«-Mitherausgeber Claus Leggewie und der Historiker Paul M. Renfro, wie die US-Demokraten Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November schlagen könnten. Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann plädiert für die Wiederaneignung des Nationenbegriffs, den sie nicht den Rechten überlassen möchte. Der Umweltaktivist Bill McKibben setzt auf die Kraft der Sonne und des gewaltfreien Protests, um die Klimakrise noch aufzuhalten. Und die Soziologin Christa Wichterich beobachtet eine neue Welle transnationaler feministischer Bewegungen im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit.

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