Zum ersten Mal, seitdem der Eurobarometer die Gefühlslage in der Gemeinschaft misst, spricht sich eine klare Mehrheit der Befragten gegen die Aufnahme weiterer Staaten in die Europäische Union aus. In diesem Frühjahr lehnten 53 Prozent eine Erweiterung der EU ab. Am negativsten war die Einstellung in Deutschland: Nur 20 Prozent würden die Aufnahme neuer Staaten in die EU begrüßen. In Zeiten, in denen einigen Mitgliedsländern der Staatsbankrott droht und das Ansehen der Europäischen Union in der Bevölkerung sinkt, ist die Angst in der EU groß, sich weitere „Problemfälle“ aufzubürden. Dabei hätten gerade die Westbalkanländer und insbesondere Serbien, der größte und politisch wichtigste Staat unter ihnen, ausländische Hilfe dringend nötig, denn die Wirtschaftskrise hat die Region fest im Griff. Serbien hat im letzten Vierteljahrhundert nur kurze Abschnitte ohne ökonomische Krise, politische Konfrontationen oder gar gewaltsame Konflikte erlebt. Für den überwiegenden Teil der 7,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger des Landes geht es seit Langem nur noch ums nackte Überleben: Vier Fünftel empfinden laut jüngeren Meinungsumfragen Unzufriedenheit, Wut, Machtlosigkeit, Angst und Resignation.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.