Ausgabe September 2012

Serbien: Nationalistisches Comeback

Zum ersten Mal, seitdem der Eurobarometer die Gefühlslage in der Gemeinschaft misst, spricht sich eine klare Mehrheit der Befragten gegen die Aufnahme weiterer Staaten in die Europäische Union aus. In diesem Frühjahr lehnten 53 Prozent eine Erweiterung der EU ab. Am negativsten war die Einstellung in Deutschland: Nur 20 Prozent würden die Aufnahme neuer Staaten in die EU begrüßen. In Zeiten, in denen einigen Mitgliedsländern der Staatsbankrott droht und das Ansehen der Europäischen Union in der Bevölkerung sinkt, ist die Angst in der EU groß, sich weitere „Problemfälle“ aufzubürden. Dabei hätten gerade die Westbalkanländer und insbesondere Serbien, der größte und politisch wichtigste Staat unter ihnen, ausländische Hilfe dringend nötig, denn die Wirtschaftskrise hat die Region fest im Griff. Serbien hat im letzten Vierteljahrhundert nur kurze Abschnitte ohne ökonomische Krise, politische Konfrontationen oder gar gewaltsame Konflikte erlebt. Für den überwiegenden Teil der 7,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger des Landes geht es seit Langem nur noch ums nackte Überleben: Vier Fünftel empfinden laut jüngeren Meinungsumfragen Unzufriedenheit, Wut, Machtlosigkeit, Angst und Resignation.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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